Die Geschichte der Ortsgemeinde Messerich von Pastor Frank Oliver Hahn

Vorbemerkung

Am 9. September 2001 findet der "Europäische Tag des offenen Denkmals" statt, an dem sich in diesem Jahr erneut der alte "Eppisch-Hof" in Messerich für die Besucher öffnet. Familie Egon und Brigitte Bach, die 1994 das damals ziemlich heruntergewirtschaftete Anwesen erworben und wieder zu neuem Glanz geführt haben, erklärten sich dankenswerter Weise erneut dazu bereit.

Im Vorfeld der Überlegungen, wie auch das Dorf Messerich mit seiner zum Teil alten Bausubstanz in dieses Vorhaben einbezogen werden könnte, wurde sehr bald der Plan gefaßt, einen kleinen Rundweg durch den alten Ortskern einzurichten, der die Besucher auch zu anderen Sehenswürdigkeiten führen soll.

Daß auf diesem Weg den Interessierten auch das bedeutendste Kulturdenkmal des Ortes, seine Pfarrkirche, gezeigt werden sollte, versteht sich von selbst. Es wurde der Wunsch geäußert, aus diesem Anlaß ein Faltblatt zu erstellen, auf dem den Gästen dieses Baudenkmal kurz vorgestellt werden sollte. Aus dieser Anregung entwickelte sich dann dieses Heft, das Sie nun in Händen halten.

Statt in Kürze nur ein paar Daten zu nennen wird der Pfarrort ausführlicher in Text und Bildern vorgestellt. Neben der Pfarrkirche und ihrer Ausstattung werden auch die zur Pfarrgemeinde Messerich gehörenden Filialkirchen von Nieder- und Oberstedem sowie die Privatkapelle zu Birtlingen, das ebenfalls Teil der Pfarrei ist, beschrieben. Darüber hinaus werden die wichtigsten Profanbauten des Dorfes Messerich präsentiert. Auf diese Weise sollen Sie, liebe Besucher, angeregt werden, sich diese Sehenswürdigkeiten - vielleicht auch zu einem späteren Zeitpunkt - einmal anzusehen. Wir hoffen, daß die folgenden Seiten Ihre Neugierde dafür wecken.

Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle schließlich dem Geschichtlichen Arbeitskreis Bitburg. Er erklärte sich gleich bereit, daß so entstandene Werk im Rahmen seiner vierteljährlich erscheinenden geschichtlichen Arbeitsblätter "Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes" als vorliegendes Heft herauszugeben und durch weitere Aufsätze, den Ort Messerich betreffend, zu ergänzen. Dadurch erst wurde diese Veröffentlichung in einem größeren Rahmen ermöglicht.

Lage

Am Südrand des Bedhards liegt der Ort zwischen Bitburg und Wolsfeld im unteren Nimstal. Heute umfährt ihn die Europastraße 29 in einem weiten Bogen. Zwischen dem Unterdorf am Ufer der Nims und dem Oberdorf besteht ein Höhenunterschied von gerade einmal 15 Metern. Beide Ortsteile verbindet die Hauptstraße, entlang der noch heute einige alte Anwesen stehen. Ansonsten wurde dieser Teil bis in jüngere Zeit hinein locker bebaut. Vor allem das Oberdorf mit seiner Kirche in exponierter Lage hat seinen ursprünglichen Charakter bewahrt und ist deshalb heute als Denkmalzone ausgewiesen.

Neben diesem alten Dorfkern hat sich das Dorf in den letzten Jahren beträchtlich vergrößert. Mehrere Neubaugebiete wurden seit dem Zweiten Weltkrieg erschlossen, so in den letzten Jahren auf den Gemarkungen Kockelberg und Frauberg.

Zur Geschichte des Dorfes

Eine erste, freilich unechte Urkunde, die Messerich nennt, datiert aus dem Jahre 1066. Am 13. Juli dotierte Kaiser Hein­rich IV. angeblich seine Gattin Bertha mit der Abtei St. Maximin, wobei er diesem Trierer Reichskloster seine Güter bestätigt. Unter den in dieser Liste aufgezählten Kirchorten finden wir auch "Miezrich" aufgeführt.

Die erste, nachweislich echte Urkunde, die das Dorf nennt, datiert vom 6. Mai des Jahres 1140. Darin bestätigt Papst Innozenz II. - wiederum der Abtei Maximin - ihre Rechte, Besitzungen und Freiheiten, namentlich auch ihre Unmittelbarkeit. Dort lesen wir: "Zu den Dörfern mit eigenen Kirchen gehören zum Besitz der Abtei Maximin im Bistum Trier " und dort im Bitgau Mezrich, Stedeheim, Enselinga ..."[1] " Messerich, Stedem und Eßlingen. Aus der Folgezeit sind uns mehrere Urkunden und archivalische Zeugnisse überliefert.

Diese recht späten urkundlichen Nennungen dürfen nicht vergessen lassen, daß Bodenfunde schon für die Römerzeit und die nachfolgenden Jahrhunderte eine Besiedlung im Bereich der Pfarrkirche nachweisen. Wie viele Ortschaften dieser Gegend ist auch Messerich weit älter, als es heute in den Archiven nachzulesen ist. Daran erinnert ein im Jahre 1852 aufgefundenes "Zweigötterpostament" [2] mit Darstellungen des Halbgottes Herkules und der Göttin Juno, das einst dem alten Hochaltar der Messericher Kirche als Fundament diente. Viele andere Bodenfunde weisen somit nach, daß dieser fruchtbare Landstrich im Nimstal schon in römischer Zeit besiedelt war. Darauf verweist neben der Tatsache, daß die dortige Pfarrkirche über römischen Fundamentresten, wahrscheinlich denen eines kleinen Tempels, errichtet ist, auch der Ortsname selbst. Dieser birgt in seiner lateinischen Grundform Messoriacum den römischen Personen­namen Messorius in sich. Somit haben wir ei­nen auf keltische Zeit zurückgehenden Ortsnamen vor uns.[3]

Für dieses weitaus höhere Alter spricht auch das Pfarrpatrozinium. Die Kirche ist seit altersher dem heiligen Martin geweiht. Dieser gehörte zu den Hausheiligen des fränkischen Herrscherhauses. Schon unter den Merowingern wurde er der Schutzpatron der fränkischen Könige und ihres Volkes. Die Karolinger erklärten seinen Mantel, den er einst in Amiens geteilt hatte und auf dem man schon seit Mero­wingerzeit eidlich urkundete, zur Reichskleinodie. Ihm wurde eine große Anzahl von Kirchen geweiht.[4] Daher gilt in einst fränkischen Reichsteilen das Martinspatrozinium meist als Indiz dafür, daß die entsprechende Kirche auf eine Gründung in dieser Zeit zurückschauen kann. Dies trifft auch auf unsere hiesige Kirche zu.

Im ausgehenden Mittelalter übten die Grafen von Luxemburg die Oberherrschaft über den Ort aus, der bis zum Jahr 1795 der Propstei Bitburg unterstellt war. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten durch Erbschaften wiederholt die Herrschaften, die in Messerich Einnahmen besaßen. So folgten den Herren von Falkenberg/Our (13. Jh.), jene von Ouren (Belgien, 14. Jh.), ferner die von Malberg (15. Jh.), von Enschringen (16. Jh.) sowie von Crichingen (17./18. Jh.) und schließlich die Herren Veyder von Malberg (18. Jh.).[5]

Nach Auskunft der verschiedenen Luxemburger Feuerstättenverzeichnisse schwankte die Zahl der aufgeführten Häuser in Messerich[6] im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit zwischen zwölf (1525) und fünfzehn (1473). Lediglich im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts sank die Zahl der Einwohner für einige Jahrzehnte beträchtlich: der Dreißigjährige Krieg sowie der Schwarze Tod, der zwischen 1620 und 1633 wiederholt das Nimstal heimsuchte, forderten ihren grausigen Tribut. So sind für das Jahr 1624 nurmehr fünf Feuerstellen überliefert.[7] Dieser Aderlaß der Bevölkerung betraf, wie wir aus zeitgenössischen Quellen[8] wissen, auch die benachbarten Orte im Tal. Nach der Mitte des 17. Jahrhunderts erholte sich das Dorf von diesen Schicksalsschlägen und erreichte bald wieder seine alte Größe. Erst in der Zeit nach den Kriegswirren infolge der Französischen Revolution und Besatzung im 19. Jahrhundert begann der Ort sich zu vergrößern. So zählte er 1840 schon 212 Einwohner in 21 Wohnungen. Bis 1964 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner, nach einem kurzzeitigen Rückgang in den nächsten drei Jahrzehnten stieg die Einwohnerzahl seit 1993 wieder kräftig an, so daß der Ort heute 483[9] Bewohner zählt.

In der Zeit unter französischer Herrschaft wurde der Pfarrbezirk Messerich, der seit altersher zum Bistum Trier gehörte, für fünfzehn Jahre (1802-1817) dem Bistum Metz unterstellt, da die Pfarrei in dem in jenen Jahren neueingerichteten Département des forêts lag. Dies änderte sich infolge des Wiener Kongresses, der die alte Ordnung wiederherstellte. Seitdem ist die Pfarrei Messerich Teil des Bistums Trier. Seit 1980 bildet die Pfarrei zusammen mit den einst eigenständigen Pfarreien Wolsfeld, Meckel und Dockendorf die Seelsorgeeinheit Wolsfeld und wird kirchlich von dort aus betreut.

Die Pfarrkirche St. Martin in Messerich

Zur Baugeschichte

Nördlich des Unterdorfes, am Südostrand des Oberdorfes erhebt sich seit altersher auf einer kleinen, leicht terrassierten Anhöhe inmitten eines Friedhofs die Hauptkirche der Pfarrei Messerich. Eine Sandsteintafel im Giebelfeld der Westfassade nennt das Baujahr der Kirche 1849. Doch in ihren Ursprüngen reicht die Geschichte dieses Gotteshauses viel weiter zurück.

Wann genau der erste Kirchenbau an dieser Stelle errichtet wurde, entzieht sich heute unserer Kenntnis. Nach der weiter oben genannten Urkunde des Papstes Innozenz II. stand schon 1140 ein Gotteshaus im Dorf. Es ist uns aus der Zeit um 1840 ein Plan überliefert, der dessen Grundriß zeigt. Auffallend ist dabei der bis heute erhaltene Chorbereich. Unter diesem Bauteil liegt ein "gewölbtes Untergeschoß mit Kreuzgratgewölbe zwischen zwei kurzen Quertonnen", an das sich westlich, "unter dem Ostteil des Lang­hauses, ein Joch mit zwei quadratischen Kreuzgratgewölben" anschließt, der heute als Tankraum dient.[10] Das vierjochige Langhaus selbst bestand nach dieser Zeichnung aus drei Schiffen und hatte die gleiche Breite wie der alte Chor.

Dieser Bau blieb bis ins 19. Jahrhundert bestehen. Nach einem Bericht der Malberg’schen Verwaltung von 1776, unter deren Obhut zu dieser Zeit die Pfarrkirche stand, befand sich diese baulich in einem guten Zustand, wenn auch Dachwerk, Fenster und Turm reparaturbedürftig waren. Diese Ausbesserungsarbeiten wurden zum Teil vorgenommen.[11]

Unter Pfarrer Michael Neu[12] kam es dann zum weitgehenden Neubau der Kirche. Der aus Meckel stammende Geistliche war am 13. Mai 1844 nach Messerich versetzt worden. Schon zum Jahresende schrieb er bezüglich des Planes eines Kirchenneubaues an die Regierung nach Trier. Es war beabsichtigt, "den Neubau nur im Wege der strengsten Oekonomie" auszuführen.[13] Die Gemeindemitglieder sollten durch Hand- und Spanndienste und durch die Beköstigung der notwendigen Handwerker mitdazubeitragen. Dieses Mithandanlegen stand unter dem Leitspruch: "Bauen wie eine Familie".

Doch die Königliche Regierung mißtraute anfangs dem Vorhaben des Pfarrers, dem es an Erfahrungen auf diesem Gebiete mangelte. Deshalb wurde der Landrat in Bitburg eingeschaltet, der darüber berichtete, wie die Mittel für dieses Bauvorhaben aufzubringen seien. Vom 27. August 1845 datiert das wohlwollende Antwortschreiben der Regierung, in dem sie dem Pfarrer mitteilt, daß die Maßnahme kostengünstiger durch eine Baukommission ausgearbeitet und dann nach einem "von uns genehmigten Plan und Kostenanschlag und von gesetzlich befähigten Bauhandwerkern ausgeführt" werden könnte.

Vorerst jedoch kam die Planung ins Stocken. Erst zwei Jahre später hören wir von einem Schreiben, das nun der Landrat nach Trier sandte und in dem er mitteilte, "daß die Pfarrei Messerich ohne die Mitwirkung der Gemeindeverwaltung bauen" wollte. Mit der Ausführung sei der Architekt Schmidt betraut worden. Dessen Pläne seien vom Bauinspektor Wolff revidiert worden. Diese nun legte der Landrat mit diesem Schreiben der Regierung vor. Bei dem erstgenannten Architekten handelte es sich vermutlich um Christian Wilhelm Schmidt, von dem die Saarburger Pfarrkirche stammen soll.[14]

Seine Pläne fanden nicht die volle Zustimmung des Bauinspektors, sie sollten umgearbeitet werden. Der Landrat bat nun die Regierung, zu prüfen, ob eine Umarbeitung erforderlich sei, und gegebenenfalls einen Baubeamten zu benennen, dem diese Aufgabe übertragen werden konnte. (Brief vom 2. August 1847)

Der Schmidt`sche Plan war zudem Pfarrer Neu zu teuer, darum bat er die Königliche Regierung in Trier vom 16. Oktober des gleichen Jahres schriftlich, man möge den Bauinspektor Wolff nach Messerich schicken, damit dieser vor Ort feststellen könne, welche baulichen Vorhaben am besten in die Tat umzusetzen seien. Zumal es Wunsch der bischöflichen Behörde sowie "vieler anderer Kunst- und Altertumsfreunde" war, die alte Kirche mit ihrem Chor als Baudenkmal des 11. Jahrhunderts zu erhalten. Wolff sollte überprüfen, wieweit dies machbar wäre.

Schließlich sprach sich auch das Preußische Ministerium der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten in einem Erlaß vom 7. Dezember 1847 für den Erhalt der alten Kapelle aus. Daraufhin nahm Wolff gemeinsam mit seinem Dienstvorgesetzten Ende Januar/Anfang Februar 1848 die gewünschte Inspektion vor. Die Pläne Schmidts sowie der Kostenanschlag konnten am 7. Februar 1848 von der Königlichen Regierung in Trier dem Berliner Ministerium zur weiteren Entscheidung vorgelegt werden.

Letztere Behörde sprach sich in ihrer Antwort vom 28. des gleichen Monats dafür aus, das alte Kirchlein als Chor zu erhalten, allerdings solle der baufällig gewordene Turm niedergelegt werden und dort habe dann der Anschluß der neuen, dreischiffigen Kirche zu erfolgen. Dies teilte Wolff am 10. März Pfarrer Neu mit. Nun endlich konnte man sich an die Umsetzung der genehmigten Pläne machen.

Diese sah jedoch anders aus, als es das Berliner Ministerium vorgegeben hatte. Aus dem Verdingungsprotokoll, das der Wolsfelder Bürgermeister am 23. Juni 1848 unterzeichnete, geht hervor, daß der Plan Schmidts als zu kostenaufwendig von der Messericher Gemeinde abgelehnt worden und an dessen Stelle ein anderer, einfacherer und kostengünstigerer, den Wolff angefertigt hatte, getreten war. Wie es scheint, wurden aber die dafür zuständigen Behörden nicht weiter darüber informiert. Die folgende Baumaßnahme widersprach nämlich den Vorgaben aus Berlin. Denn außer dem ruinösen Turm, wie vom Ministerium vorgeschrieben, wurde auch das alte, erhaltenswerte romanische Kirchenschiff abgerissen und an dessen Stelle der heutige Saalbau hochgezogen. Glücklicherweise aber ließ man dafür die alte Choranlage stehen.

Am 27. April 1849 konnte Pfarrer Neu dem Generalvikariat die in den nächsten acht bis vierzehn Tagen stattfindende Grundsteinlegung ankündigen; diese Einsegnung nahm Dechant Weber aus Bitburg vor. Anderthalb Jahre später war der Neubau beendet, jedoch fehlte noch ein neuer Turm. Bischof Arnoldi konsekrierte am Wendelinustag des Jahres 1850, dem 20. Oktober, das Gotteshaus.

Die eigenmächtige Planänderung blieb Berlin auf Dauer nicht verborgen. Denn bei der Vorlage der Abrechnungen stellte man dort sehr wohl die Widersprüche zwischen dem genehmigten Plan und Kostenanschlag sowie der eingereichten Abrechung fest, worauf von Wolff eine Stellungnahme gefordert wurde. Dieser erläuterte daraufhin in einem Schreiben vom 8. März 1851: "Nachdem die Fundamente des neuen Theils der Kirche mit Rücksicht auf die angeordnete Beibehaltung eines Theiles der bestehenden Kirche nach dem anliegenden Plane zu dem zur Zeit aufgestellten Kosten-Anschlag in Ausführung genommen, wurde von der Gemeinde als angemessener erachtet, die bestehende alte Kirche bis zum Sanctuarium ganz abzubrechen und das neue Kirchenschiff bis zum erwähnten Sanctuarium zu verlängern.[15]

Weil aber die Maurer-, Zimmerer- und Schieferdeckerarbeiten bereits in Liquidation übergeben waren, so wurden die Mehrarbeiten der Verlängerung des Kirchenschiffes von der Gemeinde auf Rechnung zur Ausführung gebracht und dem Übernehmer nur die Vollziehung der überlassenen Arbeiten des neuen Kirchenschiffes auf 57 Fuß lang überlassen, worüber auch nur die Revisionsverhandlung auf Verlangen der Gemeinde aufgestellt worden ist."

Dies erklärt zum Teil, warum Bauinspektor Wolff sich zu einer solchen Abänderung der Pläne bereitfand, zumal ihm ja die Berliner Vorgaben bestens bekannt waren. Die Billigung seitens der preußischen Verwaltung zu Berlin fand sein Vorgehen allerdings nicht, wie es dem schon fünf Tage später verfaßten Antwortschreiben zu entnehmen ist: "Wir können überdies die stattgefundene Ausführung nicht billigen, ebenso wenig aber auch den herbeigeführten Abbruch der alten Kirche, der gegen unseren Willen stattgefunden hat." An der Tatsache selbst ließ sich aber nichts mehr ändern.

Wenige Jahre später ging man daran, den noch fehlenden Turm zu planen. Mit dieser Aufgabe betraute man nun Peter Josef Julius Wolff, den Sohn des Kirchenarchitekten. 1856 erstellte dieser einen ersten Plan, der aber der Pfarrgemeinde zu teuer war. Auch dessen Überarbeitung stellte die Gemeinde nicht zufrieden. Schließlich glaubte der Landrat von Bitburg hinter dieser Haltung der Gemeinderäte die Absicht zu erkennen, diese wollten den Turm ganz ohne Plan bauen und verweigerten aus diesem Grunde ihre Zustimmung. Dagegen beschied die Königliche Regierung, daß es letztlich nicht auf den Plan ankomme, wenn dieser der Gemeinde zu kostspielig sei, sondern lediglich darauf, "einen Turm von 52 bis 53 Fuß Höhe in den Seitenwänden zu projektieren, welcher den Bedürfnissen und den sonstigen Anforderungen entspräche."[16] Eben dieser Turm wurde im Jahre 1857 ausgeführt.

Seit diesem Jahr zeigt sich die Messericher Kirche in ihrer uns heute vertrauten Gestalt. In den folgenden anderthalb Jahrhunderten erfuhr sie nur geringe bauliche Veränderungen. Ins Auge fällt der Sakristeineubau, der sich auf der Südseite im Bereich des ersten östlichen Joches erhebt. Dieser wurde 1969[17] erst als Flachdachgebäude errichtet und später mit einem Krüppelwalmdach bedeckt. Diese Maßnahme wurde durchgeführt, weil die alte Sakristei - sie fand sich seit 1849 im alten romanischen Chor, dessen mittlerer Chorbogen zum Kirchenschiff hin zugemauert war - zu feucht und seit vielen Jahren Dachwasser ins Mauerwerk gesickert war.

Im Anschluß an diesen Anbau des Architekten Hans Geimer, Trier, öffnete man 1971 den Chorraum wieder zum Kirchenraum hin und gestaltete ihn zur Sakramentskapelle um. Dabei entdeckte man die alten spätgotischen Rankenfresken, die die Firma Mrziglod, Tholey, restaurierte.

In den folgenden Jahren wurde die Kirche unter den Pfarrern Otto Schorr und seinem Nachfolger Dieter Remy grundlegend saniert und erhielt so ihr heutiges Aussehen. Die beiden Seitenaltäre sowie die Rokokotüren arbeitete man in den neunziger Jahren auf, seitdem strahlen sie in neuem Glanz. Der Bereich um die Kirche ist zwischen 1969 und 1972 gemeinsam mit dem Friedhof neugestaltet worden.

Über die Art der Ausmalungen vor der letzten Renovierung informieren zwei alte Photographien, durch die uns das Aussehen der Kirche zu Weihnachten 1933 sowie um 1956 überliefert ist. Auf der älteren Aufnahme sehen wir vor der noch verschlossenen Chorwand einen historistischen Hochaltar stehen. Zu beiden Seiten verschlossen zwei Rokokotüren die Seitendurchlässe in die noch dahinter befindliche Sakristei. Auf ihren Abschlußkonsolen standen zwei neogotische Terrakottafiguren, deren linke den heiligen Nikolaus darstellte.

Im Jahre 1908 hatte der Maler Möhn aus Bitburg die Kirche im neogotischen Stil ausgemalt[18]. Ein geschlossenes Teppichornament - in den Rundmedaillons läßt sich das Symbol des Glaubens, ein Anker, erkennen - schmückte die hohe Stirnwand hinter dem Hochaltar sowie die beiden schrägstehenden Chorseiten bis zum Gewölbeansatz. Die Bogenfläche der Hauptwand lockerte Rankenmalerei[19] auf, die der Seitenwände ein gemaltes Mauerwerk.

Das Kirchenschiff war schlichter ausgemalt. Auf die Stirnflächen der farblich abgesetzten Pilaster waren Bänder mit gegenläufig schrägstehenden Rechtecken in farbigem Wechsel gemalt, die Gurtbögen zierte ein Motiv von ineinander verschlungenen Kreisen. Auf den Wandflächen wechselten sich zwei Farbstreifen einander ab, Mauerwerk imitierend. Das Gewölbe war einfarbig gestrichen, die Grate entlang der Stichkappen sowie die Medaillons waren farbig abgesetzt.

Diese reichhaltige historistische Ausmalung gefiel nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr und wurde 1955[20] dem Zeitgeschmack entsprechend durch eine schlichte Ausmalung ersetzt, wie das zweite Photo zeigt. Nur die Wandpfeiler und Gurtbögen waren farblich etwas abgesetzt und besaßen schmale Rahmenleisten in Spiegelform. Die Ausstattungsstücke waren noch alle die gleichen wie auf dem Weihnachtsbild von 1933, sie werden weiter unten beschrieben.

Exkurs zur Frage nach dem Aussehen des romanischen Vorgängerbaues der heutigen Pfarrkirche

Wie haben wir uns nun den ersten, romanischen Kirchenbau, der entgegen den ministerialen Vorgaben niedergelegt wurde, vorzustellen? Einen gewissen Eindruck davon vermittelt uns bis heute der Chor mit seinen mächtigen Mauerteilen und den schmalen seitlichen Rundbogendurchgängen, die den wieder geöffneten, leicht gespitzten Chorbogen flankieren. Dieser als Sakramentskapelle genutzte Raumteil besteht aus dem mittleren, kreuzgratgewölbten quadratischen Chorjoch und zwei längstrechteckigen Seitenräumen, die Querton­nen überwölben.

Über diesem Chorjoch dürfte sich ursprünglich ein Chorturm erhoben haben. Solche Anlagen finden sich im trierisch-lothringischen Raum vielfach. Eine ähnliche Ostanlage finden wir aus der Zeit um 1100 beispielsweise im nahegelegenen Wintersdorf an der Sauer.[21]

Dieser Chorturm muß in späterer Zeit niedergelegt und im Westteil der Kirche durch einen Neubau ersetzt worden sein. Dies ergibt sich aus dem Schriftverkehr des Ministeriums, das die Auflage erlassen hatte, das alte Kirchenschiff als Chor bestehen zu lassen, den baufällig gewordenen Turm aber niederzulegen und dort das neue Langhaus zu errichten. Mit dem genannten Turm kann nicht der alte Chorturm gemeint sein. Sonst hätte dies bedeutet, daß man zum einen die Kirchenausrichtung hätte ändern müssen: das so zum Chor umfunktionierte ehemalige romanische Kirchenschiff hätte dann im Westen gelegen, das neue Kirchenschiff im Osten. Zum anderen hätte das neue Schiff in dem Bereich, in dem sich heute der alte Chor und der neue Turm befinden, kaum hingepaßt. Denn das Gelände bricht dort sehr schnell zum Kirschbach hin ab, es hätte schlicht am notwendigen Bauplatz gefehlt.

Sehen wir uns deshalb noch einmal genauer den Grundriß von 1840 an. Dieser weist im Westteil des untergegangenen Kirchenschiffes Unregelmäßigkeiten auf, auf die schon Irsch hingewiesen hat. Die beiden westlichen Joche besitzen andere Proportionen als die zwei östlichen. Letztere sind im Mittelschiff quadratisch, erstere dagegen rechteckig. Diese Verschiedenheit für sich betrachtet könnte ohne Bedenken auf die ursprüngliche Planung zurückgeführt werden.

Was noch stärker ins Auge fällt, sind die weiteren Abweichungen im Bereich der westlichen Außenmauern. Während die drei östlichen Stützpfeiler mit den Pfeilervorlagen in den Seitenschiffen korrespondieren und somit am Außenbau die Größe der jeweiligen dahinterliegenden Joche erkennen lassen, gilt dies für den vierten, den westlichen Strebepfeiler nicht. Laut Planzeichnung folgt er dem Rhythmus der übrigen - auch hier, im zweiten Joch von Westen aus, sitzt das Fenster von außen betrachtet mittig zwischen den beiden Strebepfeilern. Doch dieser Eindruck trifft im Inneren nicht mehr zu, denn in den Seitenschiffen wurden die Wandpfeiler leicht nach Osten versetzt. Damit aber fallen die Fenster von innen aus gesehen aus der Mitte heraus. Diese Unregelmäßigkeit wird aber im westlich anschließenden, ersten Joch umgekehrt. Die Fenster teilen hier nun die Innenwand wieder gleichmäßig, außen aber scheinen sie nun zum ersten Stützpfeiler hin verschoben. Schließlich fällt auch auf, daß man darauf verzichtet hat, Strebepfeiler auf die Eckkante im Fassadenbereich zu setzen.[22]

Diese etwa spitzfindig anmutenden Beobachtungen veranlassen mich jedoch zu Überlegungen, die in eine andere Richtung gehen: wurde nicht vielleicht das Kirchlein in späterer Zeit schon einmal nach Westen verlängert? Das heißt, daß der ursprüngliche romanische Bau nur drei Joche lang gewesen war. Hierfür sprechen meines Erachtens die geschilderten Unregelmäßigkeiten im Westteil der Kirche. Die einstige Westfassade wurde folglich in Höhe des östlichen Strebepfeilerpaares niedergelegt und das Kirchenschiff um etwa 2,20 Meter nach Westen verlängert. Der so gewonnene Raum ließ sich aber nicht mehr entsprechend den Proportionen des romanischen Bauteils untergliedern, folglich wurden die Wandpfeiler in dem Westteil leicht nach Osten versetzt, der so entstandene Raum wurde in zwei Joche unterteilt, die im Mittelschiff ihre Rechteckform erhielten. Auf zusätzliche Strebepfeiler wurde im Bereich der neuen Westfassade verzichtet.

Im Rahmen dieses Umbaues erhielt die Kirche dann auch - nun im Westen - einen neuen Turm. Er erhob sich wohl über dem westlichen Mittelschiffsjoch. Um ihn zu tragen waren die dortigen Stützen etwas größer und quadratisch. Der Turm selbst besaß einen quadratischen Grundriß und maß, berechnet man die Dicke der Außenmauer mit, ca. 3 mal 3 Meter. Er muß nicht sehr hoch gewesen sein, so daß ihn die Fundamente tragen konnten.

Eine solche Erweiterung wäre für die Zeit um 1614 denkbar. Damals erhielt die Kirche im Bereich des alten Chores eine neue Ausmalung. Vielleicht wurde diese ja notwendig, weil der alte , baufällig gewordene Chorturm abgetragen werden mußte und in diesem Zusammenhang dann der Chorraum neu ausgemalt wurde. Auf jeden Fall wurde in jenen Jahren die Kirche grundlegend überholt, fällt doch in diese Zeit auch die Anschaffung eines neuen Seitenaltares.[23]

Es wäre denkbar, daß man zur gleichen Zeit die Kirche, die ursprünglich im Bereich der beiden westlichen Strebepfeiler mit der Westfassade abschloß, dieser Zeit wie geschildert nach Westen erweiterte, wobei die beiden kürzeren Westjoche entstanden sowie die Unregelmäßigkeiten zwischen Strebepfeilern außen und Wandpfeilern innen. Grund für diese Erweiterung wäre der notwendige Neubau eines Turmes, nun im Westteil der Kirche, gewesen. Dies würde auch erklären, warum das Berliner Ministerium davon spricht, den alten Turm niederzulegen und an seiner Stelle die Kirche zu erweitern - was ja eben im Westen und nicht im Ostteil der Kirche geschah.

Wie gestaltete sich nun das Langhaus? Nach Befund des erhaltenen Grundrisses war dieses dreischiffig im Verhält­nis 1:2:1. Breite Gurtbögen trennten die einzelnen Joche in den drei Schiffen voneinander. Laut Grund­rißzeichnung war nur das Mittelschiff kreuzgratgewölbt. Zu diesem Befund gibt es verschiedene Deutungsversuche.

Wackenroder[24] nimmt einen Ba­silikenbau an. Dies hieße, daß das Mittelschiff höher gewesen wäre als die beiden Seitenschiffe und in seinen Hochschiffwänden Fenster gehabt hätte. Die Wölbung dieses Bauteiles hätte dann im Bereich dieser Obergadenfenster angesetzt und wäre wahrscheinlich wie im Chor einfach aus den Wänden gewachsen. Dagegen vermutet Kubach[25] wohl zutreffender eine Hallenkirche, die auch gestuft sein konnte. Ferner nimmt er an, daß die Seitenschiffe durch Quertonnen gewölbt waren, während Irsch die Seitenteile mit einer Längstonneüberwölbt sehen will.[26]

Diesbezüglich sei an dieser Stelle eine Überlegung angefügt, die sich aus einer einfachen Fragestellung ergibt und möglicherweise eine Lösung dieser strittigen Frage bringt. Es fragt sich nämlich¸ wo in diesem Kirchlein die beiden Seitenaltäre gestanden haben? Diese sind beide recht hoch, deswegen scheidet der alte Chor als Standort von vorneherein aus. Auch vor den Säulen fehlte es in einer Hallenkirche wegen des ansetzenden Gewölbes an der nötigen Höhe. Es bleiben im Grunde nur zwei Möglichkeiten.

Die erste lautet: hätten Quertonnen die Seitenschiffsjoche überwölbt, wäre nur an den Seitenschiffswänden der Raum hoch genug für die Altäre gewesen, folglich hätte man sie vor die Fenster gesetzt. Dagegen aber spricht zum einen, daß das durch die kleinen Seitenschiffenster eher spärlich belichtete Kirchlein noch dunkeler geworden wäre, zum anderen, daß die für dieses schlichte Gotteshaus sehr prachtvollen Altäre kaum ins Auge gefallen und nicht zur Wirkung gekommen wären. Somit verbietet sich meines Erachtens eine derartige Aufstellung von selbst.

Damit bliebe die zweite Möglichkeit: die Altäre standen seitlich an der Stirnseite der Seitenschiffe, verdeckten folglich die beiden niedrigen Seitendurchgänge in den Chor. Dies hätte nicht weiter gestört. Die Belichtung des Raumes wäre nicht beeinträchtigt worden ; und die Schönheit der beiden Altäre wäre für die Gottesdienstbesucher stets sichtbar gewesen. Dann aber kann wegen der Höhe der beiden Seitenaltäre nur eine Längstonne die Seitenschiffe überwölbt haben, die über den Scheidbögen, die Seitenschiffe und Mittelschiff voneinander trennten, aufsetzte.

Wie auch immer diese heute nicht mehr erhaltene Kirche im Einzelnen ausgesehen haben mag, sie gehörte in den Reigen der trierisch-lothringischer Kirchbauten, wobei wir bei ihr zudem "burgundische Konstruktionsgrundsätze des 11. und 12. Jahrhunderts sehen, die sich über das westliche Lothringen bis hierher in die östlichen Teile der trierischen Kirchenprovinz geltend ge­macht hätten. Damit hätte dieses unscheinbare, nur mehr als Torso vor­handene Eifelkirchlein hohen kunstgeschichtlichen Wert."[27] Dies hatte auch schon das Berliner Ministerium erkannt, das sich daher vehement aber erfolglos für dessen Erhaltung eingesetzt hatte.

Die Architekten Johann Georg und Peter Josef Julius Wolff

Kehren wir nun zur heutigen Kirche zurück. Bevor im Folgenden diese und ihre Ausstattung beschrieben werden, seien in einem weiteren kurzen Einschub die beiden Architekten, die bei ihrem Neubau im 19. Jahrhundert eine entscheidende Rolle spielten, vorgestellt.[28]

Johann Georg Wolff kam am 7. März 1789 in Trier als Kind des Architekten Thomas Wolff und dessen Gattin Eva, geborene Blasius, zur Welt. Sein Vater stammte aus Trier, die Mutter aus Staadt bei Saarburg. Mit anderthalb Jahren verlor der Junge seine Mutter, der Vater heiratete bald darauf ein zweites Mal. Über die Schul- und spätere Berufsausbildung des jungen Wolff sind wir nicht unterrichtet. Im Jahre 1810 wurde er, noch während der französischen Herrschaft, Baubeamter in Trier, im folgenden Jahr heiratete er Anna Maria Kindt aus Trier. Dieser Ehe entstammten neun Kinder, von denen der jüngere der beiden Söhne, Peter Josef Julius, später seinem Vater im Beruf nachfolgte.

Nachdem Trier 1815 preußisch geworden war, wurde Wolff von der Königlichen Regierung als preußischer Baubeamter übernommen. Sehr bald wurde er zum Baukonduktor im Bereich Trier ernannt. Einige Jahre später übertrug man ihm zusätzlich die Aufgaben als Bauinspektor für die kommunalen Bauaufgaben in den Kreisen Saarburg und Trier-Land sowie in der Stadt Trier. Weil aber in der Folgezeit solche doppelten Aufgabenbereiche immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten führten, verfügte die Königliche Regierung schließlich Ende 1826, diese künftig zu trennen und auf verschiedene Personen zu übertragen. Allerdings wurde ausdrücklich auf eine Ausnahmeregelung hingewiesen, diese betraf Johann Georg Wolff: "In Hinsicht des Stadt- und Landkreises Trier aber ist eine Ausnahme gemacht worden, indem Sie (= Wolff) die Communal-Bausachen in demselben außer ihren Königlichen Geschäften künftig besorgen sollen." Diese Sonderregelung läßt deutlich erkennen, welch großes Ansehen Wolff auf Grund seiner Leistungen seitens der Regierung genoß.

Dies zeigte sich erneut im folgenden Jahr, als die Regierung verfügte, die Stadt müsse wie andere Städte auch einen eigenen Stadtbaumeister anstellen und für diese Aufgabe Wolff vorschlug. Auch die Höhe der Besoldung wurde seitens der Regierung vorgeschrieben, nachdem sich die Stadtväter anfangs recht knauserig zeigten und ihm entgegen der gewohnten Praxis in anderen Städten nur den halben Lohn bewilligen wollten. Nach einigem Drängen erklärten sich Oberbürgermeister wie Landrat schließlich zu diesem Schritt bereit, und so wurde Wolff am 19. März 1828 zusätzlich zum Stadtbaumeister ernannt. Dieses Amt hielt er über zwanzig Jahre inne. 1830 wurden die einzelnen Arbeitsbereiche neu umschrieben. Nun war Wolff für den dritten Baukreis, der die Kreise Prüm, Bitburg, Daun umfaßte, zuständig sowie als Stadtbaumeister für die Gemeindebauten im Stadtkreis Trier.

Zu den wichtigsten und bekanntesten Werken, die Wolff damals schuf und sich bis heute erhalten haben, zählen das Zivilkasino am Kornmarkt (ab 1826), das Hauptzollamt an der Mosel (1830-32) sowie das ehemalige Gefängnis in der Windstraße (1834), heute Diözesanmuseum. Nach seinen Plänen wurde im Westchor der Trierer Domes eine mächtige Empore mit Orgelgehäuse eingebaut (1831-37), die dreiviertel Jahrhundert später, auch auf Betreiben von Kaiser Wilhelm II., wieder entfernt wurde.[29] Neben unserem hier ausführlicher vorgestellten Gotteshaus stammen noch zwei weitere Kirchenbauten in unserem Bistum von dem älteren Wolff, die Pfarrkirche St. Agatha zu Palzem an der Obermosel (1830-1832)[30] sowie, nicht allzuweit von Messerich entfernt, St. Michael in Bollendorf an der Sauer (1829-1839)[31]. Zudem verlängerte er die Pfarrkirche St. Servatius in Eisenschmitt (1847/48) um zwei Achsen.[32]

In den Jahren 1846/47 kam es zu ehrverletzenden Angriffen gegen Wolff und zu teilweise ungerechtfertigter Kritik an seinen neueren Bauten, was den Architekten sehr kränkte und ihn schließlich am 10. Februar 1848 seinen Rücktritt vom Amt des Stadtbaumeisters beim Oberbürgermeister einreichen ließ, der erst zum November 1849 angenommen wurde. Zugleich ernannte man ihn zum Ehrenmitglied der städtischen Baukommission. Ferner blieb er weiterhin als Bauinspektor der Königlichen Regierung für den Baukreis Trier I zuständig. Sein Sohn Peter Josef Julius, der seit 1840 im Büro seines Vaters mitarbeitete, übernahm 1852 als Kommunalbaumeister den Kreis Bitburg.

Johann Georg Wolff blieb bis zu seinem Tod am 31. August 1861, als er "nachmittags gegen 2 Uhr, von einer Dienstreise zurückkehrend, plötzlich infolge eines Nervenschlages starb", in diesem Amt tätig. Er war 72 Jahre alt geworden und wurde am 4. September in Trier beigesetzt.. Gut zehn Monate zuvor war seine Gattin, Anna Maria, einundsiebzigjährig verstorben (14. Oktober 1860).

Peter Josef Julius kam am 9. Februar 1824 als sechstes Kind der Eheleute Johann Georg und Anna Maria geborene Kindt in Trier zur Welt. Über seine Kindheit und Schulausbildung sind wir nicht unterrichtet. 1840 war er Schüler an der Provinzial-Bauschule zu Köln. Noch im gleichen Jahr trat er auf Anordnung des damaligen Trierer Regierungsbaurates Nobiling in das Büro seines Vaters ein. Hier absolvierte er seine weitere Ausbildung. Wurde er anfangs nur mit Bauleitungsaufgaben betraut, kamen später eigene Projekte hinzu, wobei er aber weiterhin seinem Vater als Dienststellenleiter unterstand. 1847 legte er erfolgreich die Meisterprüfung im Maurerhandwerk ab, 1851 die im Zimmererhandwerk. Zu einer Abschlußprüfung als Baumeister kam es aber nie, was sich später noch als problematisch erweisen sollte.

Einen ersten selbständigen Auftrag seitens der Bezirksregierung erhielt Peter Josef Julius 1851 mit dem Projekt und Bau der Kreisstraße, die von Minden der Sauer entlang über Echternacherbrück und Bollendorf bis zur Gaybrücke und dann weiter durch das Gaytal bis nach Obersgegen führt. Ein Jahr später bewarb er sich auf die neugeschaffene Stelle eines Kreisbaumeisters in Bitburg, die ihm auch zugesprochen wurde. Am 15. Juli 1852 trat er sein neues Amt in Bitburg an und verließ damit das Büro seines Vaters in Trier.

Über sein dortiges Wirken lesen wir bei Boskamp: "Seine Tätigkeit war vielseitig, mit viel Einfluß verbunden und sicher auch interessant: Straßen- und Wegebauten, Brückenbauten in Stein und Holz, Neubauten von Kirchen, Vergrößerungen und wesentliche Umänderungen an bestehenden Kirchen, Neubauten und Umbauten von Pfarrhäusern, Schulhäusern und Ökonomiegebäuden, Bauten auf Friedhöfen, Bau von Spritzenhäusern, Brandweihern und Wasserleitungen."[33]

Über einundfünfzig Jahre, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 30. September 1903, hielt er dieses Amt inne. Im Laufe dieser langen Dienstzeit kam es vor allem nach 1872 zu vereinzelten Differenzen mit der vorgesetzten Behörde, die zum Teil mit dem fehlenden Baumeisterexamen Wolff’s zusammenhingen, zum Teil aber auch mit der Besoldung, die, wie selbst einer der Landräte, denen er unterstellt war, schon 1872 feststellen mußte, zu gering angesetzt war.[34] Diese im Grunde unbedeutenden Auseinandersetzungen mit der Behörde spiegeln aber keineswegs die Leistung und den Einsatz wieder, die Wolff zur großen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten in all den Jahren erbrachte.

Er selbst heiratete am 21. Juni 1866 die wesentlich jüngere, sehr wohlhabende Fabrikantentochter Rosalie Bender aus Vallendar, mit der er bis zu ihrem zu frühen Tod am 21. März 1895 glücklich verheiratet war. Ihrer Ehe entsprossen fünf Kinder. Auch als Neunundsiebzigjähriger nach seinem Eintritt in den wahrhaft wohlverdienten Ruhestand 1903 stand Peter Josef Julius Wolff weiterhin seiner ehemaligen Dienststelle für verschiedene Aufgaben bereitwillig zur Verfügung. Körperlich und geistig blieb er bis ins hohe Alter rüstig und rege. Erst in den letzten Lebensjahren litt er unter grauem Star, so daß er selbst nicht mehr zu lesen vermochte und eines Vorlesers bedurfte. Mit 87 Jahren verstarb er, unter zunehmender Altersschwäche leidend, am 28. Juli 1911 in Bitburg. Kreis und Landtag widmeten ihrem langjährigen Kreisbaumeister ein ehrendes Gedenken.

Wenn Wolff auch von Amts wegen schwerpunktmäßig mit dem Bau von Wegen und Straßen beschäftigt war, so entstanden während seiner Tätigkeit als Kommunalbaumeister auch zahlreiche Hochbauarbeiten. Dazu zählen die sechzehn Umbauten von Pfarrkirchen und Kapellen[35] sowie der Neubau von neun Gotteshäusern[36] im Landkreis Bitburg und seiner näheren Umgebung. Kehren wir nun nach Messerich zurück und betrachten die Pfarrkirche, deren Kirchenschiff sein Vater errichtet und zu der er selbst die Pläne für den Ostturm geliefert hatte.

Beschreibung der Pfarrkirche St. Martin und ihrer Ausstattung

Die Kirche besteht aus vier Bauteilen: dem vierjochigen Saalbau, dessen Chorbereich sich nach Osten hin verjüngt, dem ehemaligen romanischen Chor, dem quadratischen Ostturm und dem modernen Sakristeianbau.

Der Saal ist außen ungegliedert, nur die vier Fensterachsen rhythmisieren ihn. Weißer Kalkputz mit aufgemalter roter Eckquaderung betonen die Schlichtheit des gut proportionierten Raumes. Auf dem kräftigen Sandsteingesims, das auch den Giebel der Westfassade umrahmt, ruht das hohe, nach Osten hin abgewalmte Satteldach. In der ebenfalls nüchtern gestalteten Fassade betonen das Eingangsportal, ein kleineres, den Dachraum belichtendes Rundfenster sowie eine Sandsteintafel mit dem Erbauungsjahr in der Giebelspitze deren Mittelachse. Das Eingangsportal greift mit den beiden Säulen und ihren reich ornamentierten Würfelkapitellen, die die klassizistischen Türblätter flankieren, bewußt auf Formen der Romanik zurück, um an die alte Vorgängerkirche zu erinnern.

Im Inneren unterteilen den Raum abgetreppte Pilasterpaare, zwischen denen die hohen Rundbogenfenster sitzen, in vier Joche. Auf diesen Wandstützen ruht das Gewölbe. In die halbkreisförmige, von kräftigen Gurtbögen unterfangene Längstonne schneiden im rechten Winkel spitzbogige Stichkappen ein. Ringmedaillons betonen die Mitte eines jeden Gewölbeabschnittes, wobei der Chorbereich noch durch eine stuckierte Heilig-Geist-Taube hervorgehoben wird. Die heutige Farbfassung stammt aus den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Fast das gesamte westliche Joch wird von der Orgelempore eingenommen. Diese ruht auf zwei Säulen, als deren Basen und Kopfstücke die vier romanischen Kapitelle der Vorgängerkirche, die bis auf eines Palmettenmotive zeigen, wiederverwendet wurden.

Der Chor dieses Saalraumes bildet das Verbindungsstück zum alten romanischen Ostchor. Aus diesem Grunde verengt sich dieser Bauteil im Inneren von 9,24 m Breite auf 7,06 m. Die hohe Abschlußwand ist mittig durch die große portalähnliche Öffnung mit dem alten Chor verbunden. In diese sind gedrungene, halbrunde Wandsäulen mit Basen und Kapitellen eingestellt, die den spitzbogigen Triumphbogen tragen, der von einem Rundbogen überfangen wird. Vor allem das linke Kapitell mit seinen beiden Köpfen, die zwischen grasähnlichen dicken Lanzettblättern herausschauen, fällt besonders ins Auge. Zwei niedrigere Wanddurchlässe flankieren diesen Durchgang auf beiden Seiten.

Der romanische Chor dient heute als Sakramentskapelle. Das mittlere Chorjoch ist kreuzgratgewölbt, die beiden Seitenjoche überwölben Quertonnen. Die Rankenmalereien dieses Gewölbes stammen von 1614 und wurden bei der Restaurierung 1971 wiederentdeckt und freigelegt. Sie stellen verschiedene Blütenpflanzen dar. Der Raumteil wird durch ein Fenster im Südosten belichtet, das im Zuge des Neubaues von Kirche oder Turm vergrößert wurde. Über diesem Raum findet sich heute ein Obergeschoß mit einer Abstellkammer, die über den Turm zugänglich ist. Diese belichten zwei gegenüberliegende Fenster.

Nach Osten schließt sich der 30 Meter hohe, viergeschossige, quadratische Turm von 1857 an. Er ist auf seiner Ostseite durch ein Portal im Rundbogenstil zugänglich, das die Formen des Hauptportals in vereinfachter Form aufgreift. Die Gliederung der Geschosse läßt sich an den kleinen Rundbogenfenstern ablesen. Nur die Fenster in der obersten Etage, dem Glockengeschoß, sind größer und als Doppelfenster gestaltet. In Höhe der Traufkante des alten Chores umläuft ein schmales Gesimsband den Turm und unterteilt ihn in zwei fast gleichhohe Teile. Früher war der Turm ebenerdig zur ehemaligen Sakristei, dem alten Chor, geöffnet. Dieser Durchgang ist nun zugemauert. Dagegen ist er zu dem Raum über dem alten Chor hin offen.

Wenden wir uns nun der Ausstattung der Kirche zu, beginnen wir mit dem Altarraum: Der heutige Zelebrationsaltar wurde 1971[37] zusammen mit der Tabernakelstele von der Firma Bitzigeio, Neuheilenbach, angefertigt. Dabei wurden Teile der alten Kanzel[38] eingearbeitet: im Zelebrationsaltar die drei Platten aus rotem Sandstein mit Früchte- und Blumenornamenten, die einst den Kanzelkorb bildeten. Bei der Tabernakelstele wurde der romanische Säulenstumpf mit zwei Basen, die früher die Kanzel trugen, wiederverwendet.

Über dem wiedergeöffneten Chorbogen hängt ein großes Holzkreuz mit farblich gefaßtem Christuskorpus. Die Kreuzenden mündeten früher in Dreipaßformen, die bei der Renovierung des Holzes 1971 entfernt wurden. Damals wurde auf der Rückseite folgende Bleistiftnotiz gefunden: "Dieses Kreuz ist verfertigt worden am 1. Mai 1872 von Nikolaus Kohl, Schreiner in Niederstedem."[39]

Zu den ältesten Ausstattungsstücken, die sich erhalten haben, zählen heute die beiden Seitenaltäre im Chorraum. Der rechte Seitenaltar ist dem heiligen Martin geweiht und stammt aus der Zeit um 1614. Bei der letzten Renovierung 1996 wurde im rechten unteren Sockelbereich ein Monogramm freigelegt: eine Ligatur der Buchstaben A und D. Es handelt sich um das Zeichen des Steinmetzen, der zumindest das Altargehäuse, wenn nicht auch die dazugehörigen Figuren geschaffen hat. Diese Signatur findet sich in der näheren Umgebung noch an wenigstens zwei weiteren Altären bzw. deren Überresten. Das bekannteste Objekt ist der Hubertusaltar in der alten Wolsfelder Kirche, der 1620 datiert ist. In Edingen an der Sauer haben sich die Fragmente eines Sandsteinaltares erhalten, die heute in der Turmkapelle in die Wand eingelassen sind. Das obere Relief zeigt Gott Vater, auf dem Architrav über ihm finden wir erneut das Monogramm AD.[40] Auf Grund der Datierung in Wolsfeld und der Tatsache, das die alte Messericher Kirche um 1614 eine Renovierung erfuhr, ist wohl anzunehmen, daß auch dieser Altar um diese Zeit angeschafft wurde. Da der Wolsfelder Altar dem Umkreis der Werkstatt des Hans Rupprecht Hoffmann zugeschrieben wird[41], wird auf Grund der Signatur AD auch der Messericher Altar aus diesem Umfeld stammen. Hierfür sprechen ferner die für diese Werkstatt typischen Ornamente, die sich auch hier wiederfinden: Roll- und Beschlagwerk sowie Engelsköpfe und Löwenmasken. Im Vergleich mit anderen Werken ist dieser Altar recht einfach gehalten, was vielleicht mit fehlenden Geldmitteln zu erklären ist.

Wie sein Gegenüber ist er als Nischenaltar ausgebildet. Bei Wackenroder lesen wir, das früher eine Johannes- sowie eine Marienfigur in diesen Nischen gestanden haben[42], ob dies die ursprünglichen Statuen waren, bleibt offen. In der Mitte steht eine Statue des heiligen Wendelinus[43]. Dieser war der Legende nach ein iro-schottischer Königssohn, der im 6. Jahrhunderts lebte. Er hatte sich entschlossen, auf den Thron zu verzichten und Gott im Verborgenen zu dienen. Deshalb begab er sich auf eine Pilgerfahrt nach Rom. Auf der Rückreise kam er ins Waldgebirge Vosagus, in die Vogesen, womit damals aber ein weit aus größeres Gebiet umschrieben wurde als heutzutage. Er entschied sich, dort als Einsiedler zu leben, später wurde er Hirt bei einem Edelmann. Bald schon verbreitete sich der Ruf seines heiligmäßigen Lebens im Umland, immer mehr Menschen kamen zu ihm und baten ihn um Rat und Hilfe. Schließlich wurde er Abt von Tholey. Er starb um 617, seine Grabstätte wurde bald Ziel vieler Pilger, heute erhebt sich darüber die Basilika von St. Wendel. Er wird dargestellt als Mönch, Pilger, junger Königssohn, Hirt oder Abt mit einem Stab, Vieh hütend oder im Gebet vor einem Bildstock kniend, zuweilen mit einer Krone zu seinen Füßen. Als Patron wird er besonders von Bauern, Hirten, Landleuten und Schäfern verehrt und um den Schutz von Flur und Vieh sowie gegen Viehseuchen angerufen. Sein Namensfest feiern wir am 20. Oktober.

Hier am Altar sehen wir ihn schlicht in der einfachen Tracht des Landmanns mit einem Hirtenstab in seiner Linken und einem Schaf zu seinen Füßen. In Messerich wird dieser Heilige schon seit mehreren Jahrhunderten verehrt. Sein Name findet sich auch über der linken Nische auf dem gegenüberstehenden Seitenaltar. Ferner ist ein Fenster ihm gewidmet, zudem besitzt die Kirche eine kleine Reliquie des Heiligen.

Die beiden Statuen in den Seitennischen wurden 1909 angeschafft und stammen aus dem Atelier des Matthias Zens, Gent.[44] Links steht die heilige Elisabeth von Thüringen[45] mit Krone, Rosenblüten im geschürzten Rock und einem Brotlaib in ihrer Rechten. Diese Darstellung erinnert an das berühmte Rosenwunder. 1207 als Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und seiner Gemahlin Gertrud von Andechs geboren, wurde sie als Fünfjährige 1211 mit dem damals elfjährigen Ludwig von Thüringen verlobt und an dessen Hof gebracht. Zehn Jahre später, Ludwig war mittlerweile Landgraf geworden, wurde die Ehe geschlossen. Diese war glücklich, währte aber nur kurz, Elisabeth schenkte ihrem Gatten drei Kinder. Als Landesmutter sorgte sie sich besonders um das Wohl der Notleidenden und Armen. So öffnete sie, von ihrem gütigen Gatten unterstützt, während der schlimmen Hungersnot 1225 die landgräflichen Kornspeicher und verteilte deren Vorräte unter die leidende Bevölkerung.

Ihre Mildtätigkeit wurde hochgerühmt, aber auch von Neidern mit Mißgunst verfolgt. Zu letzteren zählte auch ihr Schwager Heinrich Raspe, der nach dem Tode Ludwigs 1227 die Herrschaft übernahm. Eine spätere Legende erzählt, daß Elisabeth eines Tages mit einem Korb voller Brot, über das ein Tuch gedeckt war, ins Dorf unter der Wartburg ging, um die Armen zu speisen. Unterwegs begegnete ihr Heinrich, der sie anhielt und fragte, was in dem Korb sei. "Rosen, Herr", antwortete sie. Dieser glaubte ihr nicht, sah nach - und fand statt der Brote lauter frische, duftenden Rosen darin.

Nach Ludwigs Tod wurde mußte Elisabeth die Wartburg verlassen, sie fand schließlich Aufnahme bei Verwandten und gründete in Marburg ein Armenspital. Sie selbst entsagte bald der Welt, wurde Mitglied des dritten franziskanischen Ordens und pflegte bis zu ihrem frühen Tod 1231 aufopfernd die Kranken. Schon vier Jahre später wurde sie heilig gesprochen. Ihr Gedenktag, der 19. November, ist der Tag ihrer Beisetzung in Marburg. Elisabeth wird in fürstlicher, bisweilen auch schlichter Kleidung mit Krone dargestellt, Almosen verteilend, Arme und Bettler zu ihren Füßen, mit Rosen in einem Korb oder in ihrer Schürze, in der Hand bisweilen ein Modell der zu ihrem Gedenken in Marburg errichteten gotischen Elisabethkirche. Sie wird besonders als Patronin der Elisabeth-Vereine (heute die Katholische Frauengemeinschaft, kfd) sowie als Schutzherrin der Bäcker, Bettler, Witwen und Waisen sowie unschuldig Verfolgter verehrt.

In der rechten Nische sehen wir die frühchristliche Heilige Apollonia[46]. Sie wurde der Überlieferung um 249 zusammen mit anderen Christen von der heidnischen Volksmenge in Alexandria mißhandelt und gefoltert, wobei man ihr alle Zähne ausschlug. Als man ihr androhte, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie weiterhin an ihrem Glauben zu Christus festhalte, soll sie selbst auf den brennenden Scheiterhaufen gestiegen sei, wie uns Augustinus[47] überliefert hat. Ihr Gedenktag ist der 9. Februar. Entsprechend der Legende wird sie meist mit einem Zahn, den sie in einer Zange hält, oder mit einem Meißel bzw. Schlegel dargestellt sowie mit der Martyrerpalme und einem brennenden Scheiterhaufen. Sie ist Patronin der Zahnärzte und wurde bei Zahnschmerzen um Hilfe angerufen. In Messerich sehen wir sie mit ihrem Attribut, der Zange mit dem Zahn und der Martyrerpalme.

Bekrönt wird dieser Altar von einem Bildnis des Kirchenpatrons, des heiligen Martins[48]. Er sitzt in leichter mittelalterlicher Ritterrüstung auf seinem Roß, den roten Soldatenmantel teilend. Diesen hält er mit seiner Linken weit von sich gestreckt, so daß er wie ein Schutzmantel den vor ihm knienden, lahmen Bettler schirmt, der bittend seine Rechte zu dem Heiligen emporhält. Es ist dies die berühmte Szene von der Mantelteilung, die sich im Winter des Jahres 333/4 vor den Toren der Stadt Amiens ereignete.

Martin wurde um 316 im pannonischen Sabaria, früher Steinamanger, heute Szombathely in Ungarn, geboren. Fünfzehnjährig trat er in die römische Armee ein und diente in Gallien, wo sich die hier dargestellte Szene ereignete. Martin war damals Katechumene[49]; es wird weiter erzählt, nach der Mantelteilung sei ihm nachts im Traum der Bettler erschienen und habe sich ihm als Christus zu erkennen gegeben. Jahre später verließ er in Worms das Militär, zog nach Poitiers, wo er eine Zeit lang Schüler des heiligen Bischofs Hilarius war, ehe er in seine Heimat ging, um seine Eltern zu bekehren, was ihm aber nicht gelang. Über Italien kehrte er nach Gallien zurück. Dort gründete er das erste Kloster des Abendlandes, Ligugé, vor den Toren von Poitiers.

371 wählten ihn die Bürger der Stadt Tours zu ihrem neuen Bischof, Martin nahm das Amt nur widerwillig an. Als Bischof war er um die Missionierung der heidnischen Landbevölkerung bemüht und ein großer Wohltäter der Armen. Rastlos war er unterwegs, um Christi Botschaft zu verkünden und Frieden zu stiften, wo es Not tat. Seine Reisen führten ihn wiederholt in die Kaiserstadt Trier. Einundachtzigjährig verstarb der Bischof am 8. November 397 in Candes an der Mündung der Vienne in die Loire. Er war zu den Mönchen des dortigen Klosters gerufen worden, um interne Streitigkeiten zu schlichten. Sein Festtag, der 11. November, ist der Tag seiner Beisetzung in Tours. Neben der Szene der Mantelteilung wird er oft als Bischof dargestellt, bisweilen schnattert eine Gans zu seinen Füßen. Sie erinnert an die Legende, daß der zum Bischof von Tours Gewählte sich vor den Bürgern in einem Gänsestall zu verstecken suchte, um der Wahl zu entgehen. Doch das Geschnatter des Federviehs verriet ihn. Martin ist unter anderem der Patron der Soldaten, Kavalleristen, Huf- und Waffenschmiede, der Pferde, Schneider, Bettler, Gefangenen und Reisenden, um nur einige zu nennen. Seine große Beliebtheit zeigt sich neben den zahlreichen Kirchen, die ihm geweiht sind, auch in dem reichhaltigen Brauchtum, das mit ihm und seinem Festtag verbunden war und ist.

Betrachten wir den zweiten Seitenaltar, den heutigen Marienaltar auf der Frauenseite. Auch er ist aus Stein und wurde, wie eine Inschrift besagt, 1714 vom damaligen Ortspfarrer Johann Adam Stein, der von 1697 bis 1745 in Messerich als Geistlicher wirkte, gestiftet. Im Aufbau ähnelt er sehr stark seinem Gegenüber, wobei der Auszug mit seinen schwungvollen Barockformen besonders ins Auge sticht. Über Voluten, aus denen Blumengirlanden an Bändern hängen, bekrönt ein geflügelter Engelskopf den Altar und trägt eine hölzerne Büste der heiligen Katharina. Die gleiche Heilige sehen wir nochmals in der rechten Nische. Ihr gegenüber steht die heilige Barbara. Beide Terrakottafiguren wurden 1909 wiederum bei Matthias Zens, Gent, erworben, während die Marienstatue in der Mittelnische schon früher zusammen mit der Wendelinusfigur gegenüber gekauft wurde.[50]

Werfen wir auch hier einen kurzen Blick auf die Lebensgeschichten der beiden Heiligen. Katharina von Alexandria[51], der dieser Altar auf der Frauenseite einst dediziert war, zählt wie auch Barbara zu den Vierzehn Nothelfern. Ihre historische Persönlichkeit ist wie bei vielen frühchristlichen Heiligen nur schwer historisch faßbar; um so üppiger malt uns die Legende ihr Leben aus. Danach war sie ebenso hochgebildete wie kluge und schöne Jungfrau, die fünfzig von Kaiser Maximinus berufene heidnische Philosophen in einer Disputation über die Wahrheit des Christentums zu bekehren vermochte. Darüber geriet der Kaiser in Zorn und ließ die Achtzehnjährige auspeitschen. Als man sie später auf ein Rad band, um sie zu vierteilen, zerbrach das Folterinstrument. Dies bekehrte die Kaiserin. Während ihrer Haft gelang es Katharina ferner, ihre Wächter zum Christentum zu führen. Schließlich wurde sie enthauptet. Da soll statt Blut Milch aus ihrem Leib geflossen sein. Engel, so wird weiter erzählt, haben anschließend ihren Leichnam auf den Berg Sinai getragen, wo heute noch das berühmte gleichnamige Kloster an sie erinnert.

Seit dem Mittelalter wurde sie besonders als Fürsprecherin der Feldfrüchte sowie gegen Krankheiten, für die Beharrlichkeit in guten Werken sowie um einen seligen Tod angerufen. Ihr Festtag ist der 25. November. Meist wird sie mit einem zerbrochenen Rad, einem Buch als Symbol für ihre Gelehrsamkeit, dem Schwert, der Palme oder einer Krone dargestellt. Auch der Brautring ist ihr Attribut als Zeichen dafür, daß sie als Braut Christi ihr Leben für ihren Herrn hingab. Bisweilen tritt sie auch auf einen zu Füßen liegenden Mann als Hinweis auf die Bekehrung der heidnischen Philosophen. Als Patronin verehren sie unter anderem die Buchdrucker, die Ehefrauen ebenso wie die Jungfrauen und Mädchen, die Gelehrten, Lehrer, Philosophen, Schüler und Studenten, aber auch Müller, Tuchhändler und Wagner, um nur einige zu nennen.

Eine ebenso große Verehrung wie Katharina erfuhr seit dem Mittelalter die heilige Barbara[52]. Sie erlitt unter Kaiser Maximinus Daja um 306 den Martyrertod. Die bekannteste Legende erzählt, daß ihr Vater Dioskuros von Nikomedien, dem heutigen Izmir östlich von Istanbul, sie abgöttisch geliebt habe. Als er zu einer längeren Reise aufbrach, habe er sie in einem Turm eingeschlossen, nur von einem alten Diener bewacht. Dieser aber war Christ, und während der langen Wartezeit kam das Mädchen durch ihn zum Glauben und ließ sich taufen. Um dies nach außen hin sichtbar zu machen, brach sie zu dem bestehenden Turmfenster zwei weitere in das Gemäuer als Symbol der heiligsten Dreifaltigkeit. Ihr heimkehrender Vater bemerkte schon von fern die Veränderung. Wutentbrannt schleppte er die Tochter vor die Richter in der Hoffnung, diese könnten sie dazu bewegen, dem Christentum abzuschwören. Doch Barbara blieb standhaft. Selbst der Kaiser vermochte nichts auszurichten, deshalb verurteilte er sie schließlich zum Tode. Aber niemand fand sich dazu bereit, das grausame Urteil zu vollstrecken. Da ergriff ihr eigener Vater sein Schwert und enthauptete die Tochter. Im gleichen Augenblick traf ihn ein tödlicher Blitzschlag.

Am 4. Dezember gedenkt die Kirche dieser jugendlichen Heiligen, die heute als Patronin der Bergleute noch sehr verehrt wird. Auch sie wird darüber hinaus von einer Vielzahl von Berufsgruppen als Beschützerin angerufen, unter anderem von Architekten, Bauarbeitern, Dachdeckern, Gefangenen, Köchen, Steinmetzen, Totengräbern und Zimmerleuten. Sie ist zudem die Patronin des Wehrstandes, d. h. der Artillerie und auch der Feuerwehr[53].

Die Statue des Messericher Altares zeigt sie mit dem Schwert und einem Kelch und der Hostie. Der Legende nach brachte ihr ein Engel die heilige Eucharistie in den Kerker. Deshalb wird sie auch als Patronin für einen seligen Tod angerufen, bei dem noch vor dem Dahinscheiden die Sakramente empfangen werden konnten. Vielleicht noch bekannter sind die Bildnisse, die sie mit einem dreifenstrigen Turm zeigen.

Bei der letzten Renovierung dieses Altares 1998 wurden über den beiden Seitennischen die Namen zweier männlicher Heiligen freigelegt, deren Standbilder sich ursprünglich in diesen Nischen fanden: Wendelinus und Quintinus. Wo ihre Figuren verblieben sind, wissen wir heute nicht mehr.[54]

Vor 1970 standen beide Seitenaltäre weiter vorn an den beiden Wandpfeilern, die den Chorraum zum Schiff hin begrenzen, und wurden miteinander durch die geschwungene hölzerne barocke Kommunionbank verbunden. Teile von dieser sind heute zu Kniebänken umgearbeitet und stehen in der Sakramentskapelle.

Seit ihrer Renovierung 1999 haben die beiden Rokokotüren wieder ihren Platz im Chorraum gefunden. Sie waren Teil eines nicht mehr vorhandenen Hochaltars aus Trier, St. Gangolf, und bildeten dort einst dessen seitliche Fortsetzung. Um 1850[55], nach dem Neubau der Kirche, kam er mit den Türen nach Messerich. Er war ursprünglich der Altar der dortigen Trierer Sebastians-Bruderschaft gewesen. 1898 wurde er dann durch einen neuen Altar in historistischen Formen ersetzt, den man bei Th. Schülter, St. Joseph-Institut für christliche Kunst, in Köln erworben hatte[56]. Der alte Altar wurde leider verbrannt, nur die beiden Türen blieben erhalten.[57] Diese beiden reichgeschnitzten Türen sind von sehr guter Qualität und lassen erahnen, welcher Verlust es war, den alten Altar zu vernichten. Ihre Türblätter besitzen zwei große Füllungen mit zum Teil vergoldeten Rocailleornamenten und Blütenzier in Kartuschenform, ihre Umrahmung bilden tiefe Kehlen und Pilaster, die in Konsolen enden. Die geschwungene Türbekrönung mit dem Trierer Stadtwappen, das den heiligen Petrus zeigt und auf diese Weise an die Provenienz der Türen erinnert, trägt eine breite Holzkonsole. Die heute dort aufgestellten Figuren sind nicht die ursprünglichen sondern stammen aus der Pfarrkirche Messerich.

Auf der linken Seite steht die heilige Elisabeth, in der Linken ein Buch haltend, mit der Rechten dem vor ihr knienden bettelnden Lahmen eine Münze reichend. Gegenüber sehen wir in leicht beschwingter Haltung den jugendliche Evangelisten Johannes[58], einen Kelch haltend. Er war der Bruder des Apostels Jakobus d. Ä., ihre Eltern hießen Zebedäus und Salome. Vor seiner Berufung als Fischer am See Genezareth tätig, gehörte er ursprünglich zu den Jüngern des Täuferjohannes, ehe er Jesus nachfolgte und dessen Lieblingsjünger wurde. Als einziger der Jünger stand er unter dem Kreuz, dort gab ihm der sterbende Herr seine Mutter in Obhut. Nach altkirchlicher Tradition kam Johannes später nach Ephesus und leitete die dortige Christengemeinde, ehe er unter Kaiser Domitian auf die Insel Patmos verbannt wurde, wo er die Apokalypse niederschrieb. Nach dem Tod dieses Herrschers kehrte er nach Ephesus zurück und verfaßte das nach ihm benannte Evangelium. Um das Jahr 100 starb er dort hochbetagt und wurde in der nach ihm benannten Basilika, heute eine Ruine, beigesetzt. Sein Festtag ist der 27. Dezember. Meist wird er mit dem Adler, seinem Evangelistensymbol, dargestellt, gerne aber auch mit einem Kelch, bisweilen auch mit einem Kessel voll siedenden Öls. Der Kelch, aus dem sich bisweilen eine Schlange windet, erinnert an folgende Legende: während einer Predigt in Kleinasien trat der Heidenpriester Aristodemus an den Heiligen heran und reichte ihm einen vergifteten Becher mit dem Versprechen, an Christus zu glauben, wenn er diesen leeren würde. Zuvor ließ der Götzendiener zwei Mörder daraus trinken, die auf der Stelle starben. Johannes segnete das Gefäß und trank ihn völlig unbeschadet aus. Aber erst nachdem er die beiden vergifteten Verbrecher wieder zum Leben erweckt hatte, bekehrte sich Aristodemus und ließ sich taufen. An diese Geschichte - aber auch an die Anwesenheit des Evangelisten beim Letzten Abendmahl, als Christus ihm und den anderen Aposteln neben dem Brot auch den Kelch reichte - erinnert also die Messericher Figur. Bekannt sind auch die Bilder, die ihn an der Seite Jesu ruhend zeigen. Er ist unter anderem der Patron der Beamten, Bildhauer, Buchbinder und -drucker, Glaser, Kerzenzieher, Korbmacher, Maler, Notare und Weingärtner.

Der schon mehrmals genannte neoromanische Altar von 1898 wurde bis zur Öffnung des alten Chores und seiner Umgestaltung genutzt, dann kam er für über zwei Jahrzehnte in das Kreismuseum Bitburg. Nach dessen Umzug in das Alte Gymnasium konnte der Altar an die Pfarrgemeinde St. Rupert und St. Hildegard in Bingerbrück weitergegeben werden, wo er heute im Altarraum wieder eine seinem Zweck entsprechende, würdige Aufstellung gefunden hat[59].

Wenden wir uns nun der weiteren Ausstattung der Pfarrkirche zu. Die Terrakottastatuen des Herzens Jesu sowie des Herzens Mariä wurden 2000 überholt und wieder in der Kirche angebracht. Sie standen ursprünglich in den beiden großen Nischen des neoromanischen Hochaltares und waren mit diesem 1898 bei der Firma Th. Schülter in Köln gekauft worden. Sie erinnern an diese sich im 19. Jahrhundert stark verbreitenden volkstümlichen Verehrungsformen, deren Ursprünge bis weit ins Mittelalter zurückreichen.

Der sehr feingearbeitete, reich polychromierte Schutzengel aus Holz wurde 1906 als Geschenk einer Witwe Elsen angeschafft und stammt aus dem Atelier des Matthias Zens[60]. Die Verehrung der heiligen Schutzengel reicht zurück in biblische Zeit, wenn wir uns beispielsweise an die Geschichte des Tobias erinnern, den der Erzengel Rafael auf seiner Wanderschaft begleitete und beschützte. Immer wieder berichten Altes wie Neues Testament von der Hilfe und dem Beistand durch Engel. Bereits die frühchristlichen Kirchenväter bezeugen den Glauben an einen persönlichen Schutzengel. Im 9. Jahrhundert ist die Verehrung der Schutzengel in Verbindung mit dem Fest des heiligen Erzengels Michael nachweisbar. Seit dem 18. Jahrhundert erlebte sie eine große Blüte.[61] - Aus der Zeit um1900 stammt die gelüsterte Statue des Jesusknaben mit der zum Segnen erhobenen Linken, der die Weltkugel in seiner Rechten hält gegenüber auf der Frauenseite.

Einige Rätsel bezüglich ihrer Deutung gibt die danebenstehende barocke Figur eines jungen Mannes in grünem Gewand mit rotem Überwurf auf, dessen Hände auf dem Kopf festgenagelt sind. Diese Art der Darstellung spricht dafür, ihn als Pantaleon[62]zu identifizieren. Wahrscheinlich aber ist ein anderer Heiliger gemeint, der gerne ähnlich dargestellt wird, nämlich Quintinus[63] von Amiens. Dieser, Sohn eines römischen Senators, kam um 245 nach Gallien und missionierte die Stadt Amiens mit ihrem Umland. Dort wurde er dann unter dem Präfekten Rictiovarus grausam gefoltert. Als alle Quälereien nichts nützten, führte man ihn schließlich zur Stadt Augusta Veromandorum, die heute nach ihm St. Quentin heißt, und trieb zwei riesige Nägel durch sein Haupt in den Leib. Fünfundfünfzig Jahre später, um 340, fand eine fromme, vornehme, erblindete Römerin namens Eugenia seinen Leichnam, wurde wieder sehend und errichtete ihm zu Ehren ein Oratorium. Sein Gedenktag ist der 31. Oktober. Wie Pantaleon wird er als junger, vornehmer Mann mit Nägeln in den Händen oder auf dem Kopf dargestellt. Er ist Patron der Ärzte, Kapläne, Schneider, Schlosser und Lastenträger und wurde besonders bei Husten, Schnupfen und Wassersucht angerufen.

Dafür, daß diese Statue den französischen Heiligen zeigt, sprechen zwei Gründe: bei der letzten Renovierung des Marienaltares wurde über der rechten Seitennische der Name dieses Heiligen freigelegt. Damit ist seine hiesige Verehrung in früherer Zeit nachweisbar. Zum zweiten verwundert solche Wertschätzung in dieser Eifelkirche auch dann nicht, wenn man seine Herkunft bedenkt: er war der Glaubensbote der Stadt Amiens, eben jener Stadt, in der Martinus, der Kirchenpatron, sein berühmtes Glaubenszeugnis ablegte und in seiner Berufung durch den nächtlichen Traum gestärkt wurde. Somit wird in der Verehrung des heiligen Quintinus indirekt auf seinen berühmten "Schüler" verwiesen, dem diese Kirche ja geweiht ist.

Werfen wir noch einige kurze Blicke auf die übrigen Ausstattungsgegenstände: die kleine, farbig gefaßte, fein gearbeitete, qualitätsvolle gotische Bischofsfigur mit Bischofsstab in der Rechten und einem Buch in der Linken stellt diesmal unseren Kirchenpatron als Bischof dar.[64] Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die große Pietà angeschafft, die zusammen mit einer entsprechenden Namenstafel der Gefallenen dieses Krieges gedachte. Sie wurde von dem Künstler Hans Steinlein[65] aus Eltville geschaffen. Der steinerne, aus der Erbauungszeit stammende Taufstein fällt durch seine ungewohnte rechteckige Form ins Auge. Mit den Rankenbändern greift er romanische Formen auf. Vielleicht wollte man ähnlich wie beim Eingangsportal so auch hier einen bewußten Hinweis auf die weit zurückreichenden Ursprünge des Kirchenraumes geben. Ebenfalls aus der Erbauungszeit der Kirche stammen die schlichten Kirchenbänke. Als ein besonderes Dokument praktizierter Volksfrömmigkeit darf das schlichte Missionskreuz, das um 1995 unter der Empore aufgestellt wurde, betrachtet werden. Es erinnert an den in Messerich seit Jahrhunderten geübten Brauch von Volksmissionen, deren Reihe mit dem 28. April 1733 beginnt und mit der vorerst letzten im Jahr 1988 endet. Die heutige Orgel über der Empore konnte 1958 unter Pfarrer Johannes Geyermann für rund 18.000 DM angeschafft werden. Sie stammt von der einstigen Trierer Orgelbaufirma E. Sebald.[66] Ihre grundlegende Überholung soll in naher Zukunft in Angriff genommen werden. Zu deren Finanzierung – sie wird nicht bezuschußt und muß gänzlich von der Pfarrgemeinde getragen werden – sollen auch der Erlös dieses Heftes sowie dieses Denkmaltages beitragen.

Wenden wir uns zum Schluß unseres Rundganges noch den klar gezeichneten, farbintensiven Kirchenfenstern zu. Sie gehören zu den jüngeren Ausstattungsteilen der Kirche und wurden während des Zweiten Weltkrieges von der Trierer Glasmalerfirma Binsfeld geschaffen. Stifter waren verschiedene Pfarrangehörige. Beginnen wir unsere Besichtigung im Westen auf der Frauenseite mit dem zweiten Fenster[67], in dem wir Augustinus und Monika[68] sehen. Der Sohn sitzt auf einer Steinbank, ein aufgeschlagenes Buch liegt auf dem Schoß, seine linke Hand wird von seiner seitlich stehenden Mutter erfaßt. Im Hintergrund liegt im Hafen von Ostia ein Segelschiff zur Abfahrt bereit. Über der Stadt schwebt ein junger Engel, ein brennendes Herz hochhaltend.

Diese Szene spielt auf den endgültigen Abschied der beiden in der Hafenstadt Ostia an: kurz vor ihrer Einschiffung in die Heimat stirbt Monika und wird dort bestattet. Das Buch verweist vermutlich auf die "Bekenntnisse" des heiligen Kirchenlehrers, in denen er uns diesen tiefbewegenden Augenblick seines Lebens überliefert hat[69]. Das Symbol des brennenden Herzens erinnert an den Satz des Heiligen, den wir in dem gleichen Werk lesen können: "Du hattest unser Herz durch deine Liebe getroffen , und wie im Herzen haftende Pfeile trugen wir deine Worte."[70] Es weist auf die brennende, opferbereite Gottes- und Nächstenliebe dieses Heiligen hin.

Augustinus wurde am 13. November 354 im numidischen Tagaste westlich von Karthago als Sohn des Heiden Patricius und der heiligen Monika geboren. Nach seiner Ausbildung war er seit 375 Lehrer der freien Künste[71], zuerst in seiner Heimatstadt, später in Rom; 384 ging er als Rhetorikprofessor nach Mailand. Sehr zum Leidwesen seiner Mutter verfiel er in seiner Jugend den Lastern und dem Müßiggang, entfernte sich vom Christentum und wandte sich der Irrlehre des Manichäismus[72] zu. Er lebte im Konkubinat und hatte einen Sohn, Adeodatus. In Mailand hörte er den heiligen Ambrosius predigen, dessen Worte ihn tief beeindruckten und zum Glauben zurückfinden ließen. Er wandelte sich zu einem überzeugten Christen und ließ sich von Bischof Ambrosius mit seinem Sohn in der Osternacht 387 taufen. Augustinus legte darauf seine Ämter nieder und machte sich mit seiner Mutter, die ihm nach Mailand gefolgt war, auf die Heimreise nach Nordafrika. Unterwegs starb Monika in Ostia. Nach ihrer Beisetzung kehrte Augustinus in seine Heimat zurück.

391 wurde der Heilige Priester, vier Jahre später Bischof von Hippo Regius im heutigen Algerien. Unermüdlich setzte er sich für seine Gläubigen ein, war ein eifriger Prediger und wurde zu einem geistigen Führer für viele weit über die Grenzen seines Bistums hinaus. Unentwegt kämpfte er dabei gegen die zahlreichen sich damals ausbreitenden christlichen Irrlehren. Obwohl von schwächlicher Gesundheit erreichte er dennoch ein hohes Alter. Er starb am 28. August 430 in seiner Bischofsstadt, während diese von den Vandalen unter Geiserich belagert wurde. Sein Todestag ist zugleich sein Namensfest. Neben dem Herz wird ihm oft ein Knabe zur Seite gestellt, der ein Löffelchen[73] trägt. Andere Attribute sind das Buch und der Bischofsstab sowie eine Schreibfeder. Er, einer der vier großen Kirchenlehrer der westlichen Kirche, ist Patron der Theologen, Bierbrauer und Buchdrucker.

Monika, die Mutter des heiligen Augustinus, wurde um 332 in Tagaste geboren, und wurde von ihren christlichen Eltern fromm erzogen. Früh vermählte sie sich mit dem heidnischen Beamten Patricius, dem sie drei Kinder gebar. So voller Freude und stolz sie den Werdegang ihres Sohnes verfolgte, so traurig und voller Sorge war sie zugleich über seine religiösen Irrwege. Letztlich aber trugen ihre Tränen und Gebete zu seiner Bekehrung bei. Nachdem sie schon 371 erleben durfte, daß ihr Gatte sich auf dem Sterbebett taufen ließ, konnte sie an Ostern 387 endlich die Taufe ihres geliebten Sorgenkindes mitfeiern. Im Oktober des gleichen Jahres starb sie dann auf ihrer Heimreise nach Nordafrika im Hafen von Ostia, wo sie ihre letzte Ruhestätte fand. In seinen Bekenntnissen hat Augustinus ihr und ihrem Wirken ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Ihr Gedenktag ist seit der Reform des Heiligenkalenders der 27. August.[74] Sie wird als Matrone mit Schleier dargestellt, in einem Buch lesend, oder auf dem Sterbelager mit ihrem Sohn bzw. im Gespräch mit demselben. Besonders Frauen und Mütter in ihren Sorgen um ihre Kinder verehren sie als ihre Patronin.

Es folgt das von der Familie Christoph Leisen-Heinzkill gestiftete Fenster mit dem heiligen deutschen Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde[75]. Heinrich, am 6. Mai 973 in Hildesheim geboren, wurde unter anderem vom heiligen Wolfgang von Regensburg erzogen. 1002 wählte man ihn zum deutschen König, zwölf Jahre später krönte ihn Papst Benedikt VIII. gemeinsam mit seiner Gemahlin zum Kaiser. Er baute das System der Reichskirche weiter aus und stand der von den Klöstern Gorze bei Metz und St. Maximin in Trier ausgehenden bedeutsamen Klosterreform aufgeschlossen gegenüber. Am 13. Juli 1024 verstarb er kinderlos zu Grona bei Göttingen, sein Grab befindet sich im Dom zu Bamberg. Zusammen mit seiner Gemahlin wird er am 13. Juli gefeiert. Als Kaiser mit Krone und Szepter, in Ritterrüstung und mit Kirchenmodell dargestellt, wird er besonders als Patron des Bistums Bamberg verehrt.

Seine Gattin Kunigunde war eine Tochter des Grafen Siegfried von Luxemburg. Sie nahm an den Regierungsgeschäften ihres Mannes regen Anteil und vertrat ihn wiederholt als Statthalterin während seiner Auslandsreisen. Mit ihrem Gatten gründete sie 1007 das Bistum Bamberg und erbaute den dortigen Dom. Zehn Jahre später gründete sie das Benediktinerinnenkloster Kaufungen, in das sie nach dem Tode ihres Gemahls 1025 als Nonne eintrat. Verstorben am 3. März 1033 wurden ihre Gebeine nach ihrer Heiligsprechung in dem Bamberger Dom übertragen und an der Seite ihres Gatten bestattet. Ihr Festtag wird mit dem ihres Mannes gehalten, wie dieser ist sie Patronin des Bistums Bamberg und wird ebenso mit Kaiserkrone und Kirchenmodell dargestellt, bisweilen aber auch als Nonne und mit einem Pflugschar. Wir sehen sie hier als Gekrönte Hungernde speisen, während ihr Mann auf dem Roß sitzend ihr Tun wohlgefällig betrachtet. Im Hintergrund erhebt sich der Bamberger Dom. Darüber schwebt ein Engel, die Krone über des Kaisers Haupt haltend.

Es folgt das von der Jungfrauenkongregation gestiftete Notburgafenster[76]. Um 1265 am Inn in Rattenberg, Nordtirol, geboren, war sie zuerst Dienstmagd bei den Grafen von Rottenburg. Hilfsbereit trug sie, was von den Mahlzeiten übrigblieb und sie sich vom Munde abgespart hatte, zu den Notleidenden. Nach dem Tod ihrer Herrin, die ihr barmherziges Tun unterstütze, wurde sie von deren geizigen Schwiegertochter entlassen. Daraufhin verdingte sie sich als Magd bei einem Bauern in Eben am unteren Inn. Nach dem Tod der habsüchtigen Gräfin kehrte sie auf Bitten des Grafen auf Schloß Rottenburg zurück, wo sie am Festtag der Kreuzerhöhung 1313 starb. Der Vortag zu diesem Hochfest, der 13. September, ist ihr Gedenktag. Sie gilt als Vorbild der Arbeitsamkeit und Treue. Notburga ist Patronin der Dienstmägde, aber auch der Bauern sowie der Arbeitsruhe. Sie wird zudem um eine glückliche Geburt ebenso angerufen wie bei Viehkrankheiten und in allen Nöten der Landwirtschaft.

Meist wird sie als Dienstmagd dargestellt, oft mit einem Milchkrug oder Speisen in der Schürze, aber auch mit einer Getreidegarbe und einer in der Luft schwebenden Sichel. Diese Darstellung finden wir auch in Messerich. Sie erzählt die Legende, wonach der Innbauer am Samstag nach dem abendlichen Aveläuten von ihr die Fortsetzung der Erntearbeit forderte. Die fromme Magd jedoch bestand darauf, wie es Christenpflicht ist den Sonntag zu halten, und rief Maria als ihre Fürsprecherin und Richterin an. Da blieb ihre hochgehaltene Sichel in der Luft hängen. Dieser Augenblick ist dargestellt: der fordernde Bauer steht neben der Heiligen, die eine Garbe trägt, fleißige Landarbeiten sammeln noch Getreide ein. Die Sichel schwebt frei in der Luft, darüber ein Engel. Heiß scheint die Sonne auf die Arbeitenden und das Dörfchen Eben, das im Hintergrund mit seinem Kirchlein zu erkennen ist, nieder.

Sie kann als das weibliche Gegenstück zum heiligen Wendelinus betrachtet werden, den wir auf dem gegenüberliegenden, zweigeteilten Fenster sehen, das die Familie Arens aus Oberstedem gestiftet hat. Im oberen Teil der Darstellung kniet der Heilige, von Vieh umgeben, vor einem Feldkreuz, im Hintergrund erkennen wir seine Klausnerkapelle. Im unteren Viertel fahren fleißige Bauern auf einem Feld vor der Messericher Kirche ihre reiche Ernte ein.[77]

Es folgt auf der Männerseite nach Westen hin das Fenster mit der Heiligen Familie. Der junge Jesusknabe hilft seinem Pflegevater Josef beim Zusägen eines Brettes. Hinter dem Kind wächst eine Weinrebe, ein verborgener Hinweis auf das spätere Geschehen im Abendmahlssaal. Entsprechend kann das Brett im Vordergrund als ein versteckter Hinweis auf seinen Kreuztod gedeutet werden. Die Mutter Maria, einen Wasserkrug tragend, sieht voll Liebe auf diese Szene. In der Ferne strahlt über dem Städtchen Nazareth die Sommersonne. Stifter dieses Fensters war der damalige Pfarrer Joseph Oster, der anläßlich seines vierzigjährigen Ortsjubiläums das Glasbild der Gemeinde schenkte.[78]

Den Zyklus beschließt nach Westen hin das Osterfenster mit dem Bild des auferstehenden Christus. Strahlend erhebt er sich als Sieger des Todes aus dem Grab, geblendet von seinem Glanz ist der Wächter zu Boden gestürzt. Im Hintergrund deuten zwei Kreuze und einige Häusersilhouetten den Golgothaberg und die Stadt Jerusalem an. Die Inschrift "Du Sieger, du König, sieh unsere Not" ist wohl auch eine direkte Anspielung auf die damals herrschende Kriegszeit. Damit sollen unser Rundgang und die Beschreibung der Kirche enden[79]. Wenden wir uns nun noch einigen Gebäuden im Ort zu.

Einige Hausdenkmäler des Ortes

Aus Zeitgründen war es mir nicht möglich, mich eingehender mit der Geschichte der nachfolgend vorgestellten Häuser zu beschäftigen. Darum gebe ich hier weitgehend die Angaben aus der dem entsprechenden Band der Kulturdenkmäler[80] wieder, ergänzt durch die Nennung des im Ort gebräuchlichen Hausnamens und dazu gehörigen Mitteilungen, die ich dankenswerter Weise von Herrn Hans-Josef Spoden, Messerich, erhielt.

Beginnen wir jenseits der Nims mit den Schwolen-Haus am Mühleneck 3. Dieses wurde 1812 von Peter Schwall alias Müller[81] erbaut, der mit Margaretha Korten[82], gebürtig aus dem Dockendorfer Corten-Haus, verheiratet war. Davon kündet noch heute die Inschrift über der Eingangstür: "1812 P M".

Schon im frühen 19. Jahrhundert war dieser Teil des Dorfes um das Mühleneck dichtbebaut. Die langgestreckte Anlage mit einem schmalen Hof besteht aus einem ehemaligen Pferdestall, einer Scheune mit gewölbtem Keller, einem Schweinestall sowie dem traufseitig zum Hof stehenden Wohnhaus. In ihrer Grundform erinnert sie an ein für die Gegend typisches Einhaus, auch wenn sie durch jüngere Anbauten im Osten zu einem Winkelhof umgeformt wurde. Stockwerkgesimse verbinden die großen Rechteckfenster und die Drempelluken miteinander. Das schlichte, durch eine Supraporte mit dem Sohlbankgesims des ersten Stocks verbundene Oberlichtportal rahmt die originale Tür mit geschnitzten Füllungen in Louis-seize-Formen. Auf der Rückseite hat sich am rechten Erdgeschoß der alte Beckenausfluß aus der Küche erhalten.

Sogenanntes Theis-Haus, Ingendorfer Str. 3. Erbauer waren die Eheleute Jakob Schmitz[83] und Maria Theis[84], die aus diesem Hof stammte. Die Vorfahren dieser Familie lassen sich schon in dem Luxemburger Feuerstättenverzeichnis von 1603 und später nachweisen.[85]

Das vierseitig um einen Hof gruppierte überdurchschnittlich große Anwesen besteht aus dem dreiflügelig angeordnetem Wohn‑Wirtschaftstrakt und einem freistehenden Schuppen, der von der Straße aus Durchfahrt durch den Hof gewährt. Durch seine Lage prägt dieses Gut zusammen mit dem anschließenden Hof Ingendorfer Str. 1 das Ortsbild in diesem Bereich an der Nimsbrücke.

Das fünfachsige Einhaus bildet den Hauptflügel. Es hat rechteckig gerahmte Fenster und Drempelluken und ist auf dem Segmentbogensturz seines profilierten Oberlichtportals mit originalem Türblatt 1790 datiert. In seinem Inneren befinden sich originale Türblätter. Die drei sich links anschließenden Achsen mit schlichtem Rechteckportal umschlossen ehemals Schmiede, Brennerei und Backes. Eine vom Hof aus zugängliche Scheune schließt das Gehöft unter abgeschlepptem Dach zur Nims hin ab. In der abgetreppten Giebelwand befinden sich noch spätgotische Fenstergewände und ein Sturz mit Blendmaßwerk. Die rechts an das Wohnhaus anschließenden Ökonomiegebäude haben zum Teil modern veränderte Fenster‑ und Türöffnungen und werden zur Zeit zu Wohnungen umgebaut. Der gegenüberliegende eineinhalbgeschossige Schuppen hat eine zum Hof hin offene Holzkonstruktion.

Vor dieser Anlage schließt sich zur Nims hin das Haus Ingendorfer Straße 1 an, das sogenannte Schomisch-Haus. Auch diese Familie wurde schon 1603 in dem Feuerstättenverzeichnis genannt als "der Schumacher". 1611 treffen wir diesen wieder als Claus Schumacher. Das fünfachsige spätbarocke Wohnhaus war Teil eines Streckhofs. Beide Geschosse belichten rechteckige Fenster. Die Mittelachse beton ein schlichtes, von Pilastern flankiertes Oberlichtportal mit der Jahreszahl 1800 auf dem Sturz. Damals führten Nikolaus Kiemen[86], genannt Schumers, und seine Gattin Eva[87] den Hof.

Das Eppisch-Haus, Hauptstr. 11, leitet seinen Namen von der Familie Eppers ab. Diese Familie bewohnte über viele Generationen das Haus und zählte zeitweise zu den Wohlhabenden im Ort, wie aus den Luxemburger Steuerverzeichnissen zu entnehmen ist. Seit 1995 wird das Anwesen von Familie Egon und Brigitte Bach bewohnt, die sich seitdem in vorbildlicher Weise um seinen Erhalt und seine Wiederherstellung bemühen. Zum einen werden alte Bauteile wie das Backhaus wieder genutzt, zum anderen werden sie so umgestaltet, daß ihre alte Gestalt erhalten bleibt, sie zugleich aber einer moderaten, modernen Nutzung zugeführt werden, wie an der alten Remise und im linken Stalltrakt zu sehen ist.

Die im Unterdorf gelegene Anlage gruppiert sich um einen großen Hof beiderseits der Straße. Sie stammt aus dem späten 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert. Das die übrigen Gebäude überragende Wohnhaus hat zwei Vollgeschosse mit Rechteckfenstern und einen Drempel mit Lüftungsluken. Die beiden linken Fensterachsen sind etwas abgerückt, sie umschließen die ehemalige Backstube. In der Mitte der verbleibenden fünf Achsen betont das aufgetreppte, von schmalen Pilastern flankierte Oberlichtportal mit einem in Rokokoformen geschnitzten Türblatt die Mittelachse. Die Supraporte ist 1798 datiert und trägt die Initialen von Peter[88] und Anna Eppers[89].

Die Raumstruktur des Hausinneren mit durchgehendem Flur, Küche und zwei Stuben hat sich bis heute erhalten. Bei der Restaurierung 1994/95 konnte in der rechten Stube eine holzimitierende Sockelverkleidung aus bemaltem Stuck freigelegt werden. Im Flur des Obergeschosses fand sich eine gemusterte Tapete des 19. Jahrhunderts, die nach den Originalbefunden wiederhergestellt wurde. Leider wurde die noch 1990 vorhandene Takenanlage der linken Stube, bestehend aus einem Schrank, einer Ablage und Standuhr sowie zwei gegossenen Eisenplatten, nach Dudeldorf verkauft. Im Scheunenteil des sich rechts an das Wohnhaus anschließenden niedrigeren Wirtschaftsgebäudes befinden sich zwei oberirdische Kellerräume. Die beiden jüngeren Querflügel schließen einen zum Teil noch gepflasterten Hof ein.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite vervollständigt ein Gebäude, das eine Schmiede mit Brennerei und eine der für die Gegend typischen offenen, doppelgeschossigen Remisen enthält. diese gut erhaltene Anlage.

Ehemaliger Keller, Hauptstraße, gegenüber dem Feuerwehrhaus: Der ebenerdige, tonnengewölbte Keller ist auf dem Keilstein des korbbogig geschlossenen Portals 1815 datiert und mit den Initialen des Bauherrn NM versehen. Dabei handelte es sich um Nikolaus Müller[90], dem damaligen Besitzer des sogenannten Urmes-Hofes[91], der sich gegenüber im Bereich des Feuerwehrhauses erstreckte und zu dem das Kellerhäuschen gehörte. Zu diesem untergegangenen Haus besaß Bischof Wilhelm Arnoldi, der die hiesige Pfarrkirche konsekriert hatte, eine enge verwandtschaftliche Beziehung.[92]

Haus Kimmlingen, Oberdorf 1. Dieser Hof selbst trägt keinen eigenen Hausnamen, wohl aber das kleinere, heute unbewohnte Haus im hinteren Teil des Anwesen, Oberdorf 3. Dessen Hausname lautete Kurthen[93]. Schon 1603 wird der Name Corten Hans in dem genannten Feuerstättenverzeichnis überliefert.

Die heutige stattliche Anlage Kimmlingen besteht aus zwei zueinander und zum Hang parallel gestellten Gebäuden am unteren Anstieg zum Oberdorf. Das Wohnhaus steht höher als das vermutlich jüngere Ökonomiegebäude. Die Fassade wird zum Hof hin von Ecklisenen abgeschlossen. Ihre Gliederung - über dem hohem Keller liegen drei Fensterbankgesimse, hohe Rechteckfenster in beiden Vollgeschossen und Lüftungsluken im Drempel unterteilen die Wandfläche - ist für ihre Erbauungszeit sehr modern gestaltet. Die Haustür sitzt in der dritten von sieben Fensterachsen. Sie ist über eine Freitreppe mit gequaderter Brüstung erreichbar und besitzt eine Supraporte. Dort geben römische und arabische Ziffern das Baujahr 1799 kund und nennen PETER BICHLER LUZIA[94] als Erbauer. Am rückwärtigen Ende des Hausflurs befindet sich noch das originale Türblatt. In der rechts neben der Haustür gelegenen Stube hat sich die intakte Takenanlage aus der Erbauungszeit einschließlich der Standuhr in Formen des späten Rokoko erhalten. Ebenfalls erhalten blieben - bis auf eine - die vom Flur in die beiderseits anschließenden Räume führenden, geschnitzten Eichenholztüren.

Haus Neyses, Oberdorf 2, wird genannt Maiisch-Haus und erinnert daran, das hier früher die Hofverwalter (Meier) der Herren (Veyder) von Malberg lebten. Das heutige Wohnhaus wurde nach Türsturzinschrift 1837 errichtet. Davor soll dieser Hof am Nüdinger Berg, einem Flurstück zwischen Messerich und Birtlingen, gestanden haben. Nach dem Luxemburger Feuerstättenverzeichnis von 1611 hieß der damalige Besitzer Hans Gobel, der schon 1603 als "Meier daselbst" [95] bezeichnet wird und die meisten Steuern zu entrichten hatte. Reste dieses untergegangenen Hofes, der später zugunsten des Neubaues im Oberdorf aufgegeben wurde, sollen nach Aussagen älterer Ortsbewohner bis Anfang des 20. Jahrhunderts gestanden haben. Die Erbauer dieses neuen Anwesens waren der aus Eisenach gebürtige Nikolaus Schoeben[96] sowie Luzia Goebel[97] aus Messerich, letzter Nachfahre von besagtem Hans Gobel und Trägerin seines Namens.

Die Rahmung der auf der Traufseite zur Straße gelegenen Tür und die großen Rechteckfenster charakterisieren es als ein für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts typisches bäuerliches Haus. Der ursprünglich fünfachsige Bau wurde später um eine, sich durch ihre Breite von den übrigen absetzende Achse verlängert. Die neu entstandene, symmetrisch durchfensterte Giebelseite öffnet zum Hof hin in einer weiteren Tür. Der Kellerabgang befindet sich an der entgegengesetzten Giebelseite.

Das wohl gleichzeitig entstandene, langgestreckte, spitzwinklig auslaufende Gebäude auf der anderen Straßenseite besitzt eine für die Gegend charakteristische offene Remise mit zweigeschossiger Holzkonstruktion (vgl. Hauptstraße 11). Das Erdgeschoß ist zweischiffig unterteilt, das Obergeschoß durch eine Ständerreihe mit Balustrade vergittert. Der offene Dachstuhl ruht auf Krummhölzern.

Haus Begon-Wirtz, Oberdorf 9, das sogenannte Ewen-Haus. Die namensgebende Familie Ewen ist seit dem Beginn der geführten Kirchenbücher im Ort nachweisbar[98]. Dieses in der Nähe der Kirche gelegene Gehöft mit Kapelle schließt den Ort nach Norden hin ab. Die gestreckte Anlage besteht aus dem Wohnhaus, dem hinter dessen Flucht um drei Viertel seiner Tiefe zurückspringendem Stall und einer wiederum vorspringenden Scheune, die vom derart gebildeten kleinen Hof aus zugängig ist und von 1865 datiert. Das zweigeschossige, fast freistehende Haus mit intakt erhaltenen Treppengiebeln hat auf seiner Traufseite ein stattliches Oberlichtportal, das auf dem Scheitelstein seines Sturzes 1785 datiert ist. Typisch für das letzte Viertel des 18. Jh. sind vor allem der reich profilierte, mehrfach gebrochene Türsturz, das seitlich ausgenischte Oberlicht und die breite Kehle der Verdachung. Die großen Fenster der Traufseite schließen in Segmentbögen mit Scheitelstein. Die nach oben hin kleiner werdenden Rechteckfenster der Giebelseiten sitzen zum Hof mittelaxial, zum Kirchhof hin sind sie in den Obergeschossen weit nach außen gerückt. Das Innere ist durch modernisierenden Umbau verändert worden. Der an das Wohnhaus anschließende Teil des aus dem 19. Jh. stammenden Stalls ist im Obergeschoß nun als Wohnraum genutzt. Unter ihm liegt, die Hanglage ausnutzend, ein von rückwärts erschlossener, gewölbter Keller mit Rundbogenportal aus der Mitte des 19. Jahrhundert.

Die auf der anderen Straßenseite gelegene, aus bossierten Kalksteinquadern errichtete Kapelle, die sich in einem umfriedeten Gärtchen erhebt, entstand 1927/28 noch in neugotischen Formen. Der fensterlose, außen rechteckige, innen jedoch mit drei Seiten schließende Bau öffnet sich mit einem großen Spitzbogen und trägt ein Satteldach mit Eckaufsätzen. Die den First bekrönende, stilisierte Monstranz und der im Giebelfeld sitzende Reliefstein mit Kelch und Hostie weisen auf die ursprüngliche Funktion als Stationskapelle hin. Seit wenigen Jahren wird sie als solche wieder bei der jährlichen Fronleichnamsprozession genutzt.

Niederstedem und Oberstedem

Ein kurzer Blick auf beide Orte, ihre Lage und Geschichte

Schon von ihrer geologischen Lage her gleichen sich beide Dörfer. Das auf einer Keuperschicht liegende Niederstedem wird durch den Stedemer Bach zweigeteilt. Der westliche, sich die Anhöhe hinaufziehende Ortsteil wurde, wie die Bebauung zeigt, erst ab der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bebaut. Der eigentliche, alte Ortskern befindet sich östlich des Baches. Bis heute hat er seine Haufendorfstruktur bewahrt und wird hauptsächlich durch bäuerliche Gehöfte geprägt. Auch Oberstedem liegt zum größten Teil auf einer Schicht des Unteren Keuper. Im westlichen Teil fällt die Ortschaft zu dem sie begrenzenden Bach leicht ab, hier findet sich eine feste Schicht Muschelkalk anstelle des Keupers.

Die erste urkundliche Erwähnung der beiden Orte als "Stedeheym" finden wir im Prümer Urbar des Jahres 893. Die Trennung in die Ortsteile Nieder- und Oberstedem ist noch nicht erfolgt, eine Unterscheidung, die auch der Volksmund nicht übernommen hat, heißen beide Dörfer für die Einhei­mischen auch heute einfach Stedem. Unter dem Abschnitt "De merxz, bei Mötsch", finden wir in dieser Urkunde die Besitzungen der einst gefürsteten Benedikti­nerabtei in Stedem aufgeführt. Die Salvator-Abtei besaß demnach acht Hufe Land (ca. 400 Morgen), die bis auf eine unter vier Scharmänner[99] aufgeteilt waren. Im Vergleich zu den gleichen Dienern an den anderen im Urbar genannten Orten waren die Stedemer von den Abgaben "Ferkeln, Hühnchen, Eier, Wachdiensten, Brot und Bier" befreit, während sie ihrem Waffendienst aber vollständig nachzukommen hatten.[100] Wie wir aus der schon erwähnten Urkunde des Papstes Innozenz II. wissen, besaß 1140 auch die Reichsabtei St. Maximin in "Stedeheym" Land.

Die spätere mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte des Dorfes gleicht der Oberstedems und Messerichs. Im Jahre 1233 verpfändete Agnes von Malberg ihr Gut in Stedem an den damaligen Trierer Erzbischof, Theoderich von Wied. Aus dem Jahre 1682 wird berichtet, daß Philipp Christoph Cob von Nüdingen in Niederstedem ein Gut, in Oberstedem ein Drittel der Grundherrschaft besaß.[101] Seit dem frühen 14. Jahrhundert bis zum Ende der Feudalzeit 1794 gehörten beide Ortsteile zur Propstei Bitburg.

Für beide Orte zusammen werden in den Feuerstellenverzeichnissen für 1473 elf Feuerstellen, 1624 nur noch drei gezählt. Und 1656 wird darin überliefert, daß von den insgesamt fünfzehn Häusern neun verfallen waren. Später aber stieg die Einwohnerzahl wieder an. Seit dem 19. Jahrhundert liegen für beide Orte getrennte Zahlen vor. So übertraf Niederstedem 1848 mit 218 Einwohnern und 22 Wohnhäusern sogar seinen Pfarrort Messerich (21 Wohnhäuser, 212 Einwohner) geringfügig. Zwischen 1871 (204 Ew.) und 1992 (194 Ew.) blieb die Einwohnerzahl relativ konstant. In den letzten Jahren dagegen stieg sie auf 242 Einwohner (Mai 2001) an. Dagegen besaß Oberstedem im Jahre 1848 nur 104 Einwohner, diese Zahl stieg bis 1895 auf 145 an. Es war dies die höchste Einwohnerzahl dieses Dorfes, die rund fünfzig Jahre gehalten werden konnte. Seit 1953 verlor es kontinuierlich an Bewohnern, 1962 zählte man noch 92, 1992 waren es nur noch 82, heute sind es wieder 86 (Mai 2001).

Beschreibung der Niederstedemer Filialkirche St. Jakobus und ihrer Ausstattung

Der heutige Bau besteht aus zwei unter­schiedlich alten Teilen, dem im Jahre 1794 errichteten Schiff und dem we­sentlich älteren Chorturm. Der Westteil ist ein schlichter rechteckiger, spätbarocker Saalbau, der 6,30 m in der Breite und 11 m in der Länge mißt. Vier rundbogige Fenster belichten den Raum. Die flache Voutendecke, die auf einem Holzgesims aufliegt, besteht aus Holz und Lehm. Außen im Schlußstein des Westportals verrät eine Inschrift die Entstehungszeit dieses Kirchenteils: 1794. Somit wurde es zu dem Zeitpunkt fertiggestellt, als die französischen Revolutionstruppen in unsere Heimat eindrangen. Die letzte, umfassende Renovierung fand zwischen den Jahren 1982 und 1985 statt.

Der älteste Bauteil des Kirchleins ist sein Chorturm aus dem 12. Jahrhundert. Wahrscheinlich stand er schon, als die Innozenz-Urkunde von 1140 das Dorf Stedem als eines der Kirchdörfer erwähnt.[102] Der Turm mit seinen drei Geschossen ist völlig ungegliedert. Nur verschiedene Öffnungen unterbrechen das buckelige, weißverputzte Mauerwerk. In der Ostwand befindet sich etwa auf halber Höhe eine beinah quadratische Luke; drei schlichte gekuppelte Schalluken öffnen sich nach Osten, Norden und Westen, wobei die westliche vom Dach des Kirchenschiffes fast verdeckt wird. Der Chorraum selber mißt 3,20 m im Quadrat. Drei kleine Fenster, von denen das südliche in späterer Zeit vergrößert worden ist, lassen Licht in den gedrungenen Raum, den ein Kreuzgratgewölbe schließt.

Das ursprüngliche romanische Kirchenschiff war niedriger als der heutige Barockbau. Es handelte sich um einen schlichten, flach­gedeckten rechteckigen Saal, an den sich der Chorturm nach Westen hin anschloß. Diesen Bautypus finden wir in dieser Zeit häufig im Trierischen bei kleineren Landpfarrkirchen. Erinnert sei nur an die nahegele­genen Kirchen in Beßlich, Metzdorf, Minden oder Olk.

Im Kircheninneren fällt sogleich der gedrungene, leicht gedrückte, in seinem Scheitel unsymmetrische Chorbogen mit seinen beiden Halbsäulenvorlagen ins Auge. Deren Formen wirken insgesamt etwas schwerfällig, wie von unbeholfener Hand geschaffen: buckelige Halbsäulen, leicht windschiefe Wulste und grobgeschnittene konzentrische Tauringe in den Kapitellen, die als Schilde eine Sonderform bilden. Sowohl das Gewicht des darüber aufragenden, schweren Turmes als auch eine spätere Brandkatastrophe[103] haben im Laufe der Zeit den Chorbogen nach außen gedrückt. Was einst ein einfacher, wenig meisterli­cher Steinmetz schuf sowie die Unebenheiten und Verschiebungen der Zeit machen gera­de heute den besonderen Reiz dieses Kirchleins aus. Diese Form der Chorlösung erinnert sehr stark an den alten Chor der Mutterkirche in Messerich.

Die Filialkirche in Niederstedem ist dem heiligen Jakobus dem Älteren[104] geweiht. Er und sein jüngerer Bruder, der Evangelisten Johannes, werden wegen ihres stürmischen Eifers und Einsatzes für die Botschaft Christi "Donnersöhne" genannt. Jesus berief beide gemeinsam in seine Apostelschar. Mit Petrus wurden sie bevorzugt, und waren Zeugen sowohl der Verklärung Jesu auf dem Berge Tabor als auch von dessen Todesangst im Ölberggarten. Am Osterfest des Jahres 44 erlitt Jakobus als erster der Apostel den Martertod durch das Schwert. Später soll sein Leichnam über das Katharinenkloster auf dem Sinai nach Spanien gelangt sein, wo er am 25. Juli 816 feierlich in der ihm erbauten Kirchen beigesetzt wurde. Der Legende nach geriet das Grab in Vergessenheit, ehe es auf wunderbare Weise auf dem sogenannten  "campus stellae" wiederaufgefunden wurde. Seitdem trägt der Platz seinen Namen "Jakob vom Sternenfeld, Santiago de Compostela. Die Pilgerreise dorthin zum "wahren Jakob"[105] entwickelte sich zur bedeutendesten Wallfahrt des späten Mittelalters. Sein Gedenktag ist der 25. Juli. Dargestellt wird er als Apostel mit Buch oder Schriftrolle und seit dem frühen Mittelalter oft in Pilgertracht (Stab, Hut, Wasserflasche, Reisetasche, Jakobsmuschel) oder nur mit einer Pilgermuschel.[106] Er wird sowohl als Schutzpatron Spaniens, als auch der Pilger, Apotheker, Hutmacher, Ritter, Wachszieher und anderer Berufsgruppen verehrt.

Dem Bildnis des Kirchenpatrons begegnen wir gleich zweimal: das neuere, südliche Kirchenfenster zeigt ihn uns als Pilger mit Hut, Stab, Reisebeutel und Pilgermuschel, darunter die Inschrift "sancte Jacobe ora pro nobis " heiliger Jakobus, bitte für uns". Weit älter aber ist die Statue des Kirchenpatrons im Auszug des Hochaltares, in der er uns wiederum als Pilger entgegentritt, nun noch ein Buch mit seiner Rechten haltend. Der hölzerne Hochaltar selbst, ein zweigeschossiges Retabel, wird in der Literatur als späte Renaissance datiert[107]. Möglicherweise aber wurde er in der gleichen Werkstatt bestellt wie der rechte Seitenaltar in Messerich, also um 1615; dafür spricht seine Formensprache.[108] Dies trifft meines Erachtens auf jeden Fall auf die steinerne Statue des Kirchenpatrons zu, der sowohl in seiner Körperhaltung als auch in der Falten- wie auch Formgebung des Mantelgewandes große Verwandtschaft zu der Messericher Johannesstatue aufweist[109]. Somit dürfte es sich bei diesem Altar, zumindest aber bei der Jakobusstatue, um ein weiteres Stück aus dem Umfeld der sogenannten Hoffmann-Werkstatt handeln.[110] Im Unterteil des Retabels findet sich der Drehtabernakel. Das Retabel selbst sitzt auf einem gemauerten Altarblock auf, dessen monolithische Mensaplatte aus einem alten Grabstein gearbeitet ist.

Rechts des Triumphbogens steht ein weiterer, barocker Seitenaltar. In seinen beiden säulengerahmten Muschelnischen stehen heute zwei Terrakottafiguren aus der Pfarrkirche, die beide um 1909 bei Matthias Zens in Gent[111] erworben wurden: rechts sehen wir den österlichen Christus mit Kreuzstab und Segensgestus, links den Erzengel Michael[112], den die Heilige Schrift Engelsfürst nennt. Er zählt mit Rafael, Gabriel und Uriel zu den vier höchsten Engelwesen und trägt die Gebete und Opfer der Frommen vor Gottes Thron. Gerne wird er als Engel des Gerichtes dargestellt. Als Paradieseswächter steht er den Sterbenden besonders bei und geleitet ihre Seelen in den Himmel. Der Überlieferung nach kämpfte er mit seinen Heeren gegen Luzifer, der einst der ranghöchste Engel war, sich aber gegen Gott empörte und selber Gott werden wollte, und stürzte den Abtrünnigen mit seinen Anhängern aus dem Himmel. Seit dem frühen Mittelalter wurde der Erzengel Michael sehr verehrt; ihm geweihte Heiligtümer finden sich vielfach auf Berghöhen oder in höhergelegenen Turmgeschossen möglichst nahe dem Himmel. Seine wohl berühmtesten Kirchen stehen auf dem Monte Gargano sowie auf dem Mont St. Michel vor der normannischen Küste. Sein Festtag, der 29. September, erinnert an den Weihetag einer ihm geweihten Kirche in Rom[113]. Anfangs in der Kunst als weißgekleidete Engelsgestalt am Throne Gottes dargestellt, finden wir ihn seit karolingischer Zeit immer häufiger auch als Engel in Rüstung, mit dem höllischen Drachen kämpfend oder die Seelenwaage haltend. Von den zahlreichen Patrozinien, die ihm zugeeignet sind, seien stellvertretend genannt: Patron der katholischen Kirche, des deutschen Volkes, der Armen Seelen und Sterbenden, Apotheker, Eicher, Gewichtemacher, Kaufleute und Bankangestellten, der Ritter, Schneider und Soldaten, sowie gegen Blitz und Unwetter.

Das Ölbild an der nördlichen Schiffswand gehörte einst zu einem verlorengegangenen Altar. Es zeigt die heiligen Barbara und Margaretha[114]mit einer Stifterunterschrift[115]. Letztgenannte Heilige lebte in Antiochia in Pisidien (nördlich des türkischen Badeortes Antalya). Nach der Legende war sie Tochter eines heidnischen Priesters der Stadt, von dem sie ihres Glaubens wegen verstoßen wurde. Sie soll in einem erbitterten Kampf den Satan bezwungen haben. Schließlich erlitt sie das Martyrium und wurde enthauptet. Ihr Festtag ist seit der Kalenderreform der 20. Juli, sie wird meist mit einem Drachen ("Wurm") als Sinnbild für ihren Kampf mit dem Teufel, aber auch die Krone, ein Perlenkranz in Anspielung auf ihren Namen sowie Fackel und Kamm, weitere Marterinstrumenten, zählen zu ihren Attributen. Als ihre Patronin verehren sie besonders Ammen, Bauern, Jungfrauen ebenso wie junge Mädchen, werdende Mütter und unfruchtbare Frauen. Die kleine Orgel an der Chorwand daneben wurde 1986 von Gustav Cartellierie, Wittlich, geschaffen.

Über dem Chorbogen finden wir eine altertümliche thronende Christusstatue. Sie stellt die Kombination zweier unterschiedlicher Christusbilder dar. Zum einen zeigt sie Christus als König beim Jüngsten Gericht, zum anderen erinnert sie durch das applizierte Herz auf der Brust des Herrn an Herz-Jesu-Bildnisse. Sie wurde 1936 von Hans Steinlein, Eltville, geschaffen.[116]

1997 kam die farbig gefaßte Marienstatue an der südlichen Kirchenschiffswand in das Gotteshaus. Sie wurde von dem Südtiroler Bildhauer Walter Unterholzner aus St. Walburg im Ultental geschaffen. Als Vorlage diente ihm dabei eine Photographie der sogenannten Madonna Malberg im Kreuzgang des Trierer Domes. Dieses Vorbild hat der Künstler seitenverkehrt in seine Formensprache frei umgesetzt. Die frühere nazarenische Marienfigur steht seitdem in der Niederstedemer Friedhofskapelle. Gegenüber dieser Marienstatue schmückt ein weiteres Marienbildnis das dortige Fenster, mit dem Maria als Königin aller Heiligen verehrt wird, wie die Bildunterschrift erläutert[117].

Ebenfalls an der Südwand hängt seit einigen Jahren ein Kreuz, dessen geschnitzte Balken sich jahrhundertelang im Dachstuhl befanden und 1990 anläßlich des 850. Jahrestages der Nennung des Dorfes in der Innozenz-Urkunde von 1140 dort angebracht wurde. Die Voutendecke ziert heute ein Fresko der heiligsten Dreifaltigkeit, das 1964 von Arnold Mrziglod geschaffen wurde.

Bevor wir diese Dorfkirche verlassen und uns nach Oberstedem begeben, sei noch ein kurzer Blick auf die beiden Bilder mit den Darstellungen des heiligen Josefs sowie der Immerwährenden Hilfe geworfen, die unter der Empore hängen und um 1900 in die Kirche kamen.[118]

 

 

Beschreibung der Filialkirche St. Brictius und ihrer Ausstattung

Das Patrozinium der Kapelle weist auf ein hohes Alter des Ortes zurück, das weit über das Jahr der ersten Nennung Stedems im Prümer Urbar von 893 zurückreichen dürfte. Denn der heilige Brictius ist ein Heiliger, dessen Verehrung in enger Bezie­hung zu den Franken und Karolingern steht. Er war der Nachfolger des heiligen Martin auf dem Bischofsstuhl der Stadt Tours und hatte über dem Grab seines Vorgängers eine erste Kirche errichten lassen. Nicht selten finden wir deshalb dem Brictius geweihte Kirchen als Begleitpa­trozinien zum heiligen Martin. Damit will zwar keine Unterordnung ange­zeigt werden, auch wenn dieser Eindruck de facto - hier Pfarrkirche St. Martin, dort Filiale St. Brictius - entsteht. Auffällig ist es schon, wenn das Bricti­uspatrozinium häufiger in eben dieser Konstellation auftritt, als daß es eigenständig zu finden ist.[119] Darum verwundert es nicht, wenn wir in Oberstedem, einem Nebenort der Martins-Pfarrei Messerich eine dem Brictius geweihte Ka­pelle besitzen.

Bis nach dem 2. Weltkrieg stand auf dem Friedhof eine Kapelle des Jahres 1808, die wohl einen älteren Vorgängerbau ersetzt hat, da sich das besagte Patrozinium schon im 16. Jahrhundert nachweisen läßt.[120] Dieses Kirchlein war schon lange zu klein und zu feucht, deshalb 1927 wurde ein erster Anlauf genommen, es durch einen Neubau zu ersetzen, doch kam es dazu nicht. Erst nach dem Weltkrieg konnte der Neubau, nun an einer anderen Stelle, in Angriff genommen werden. 1951 wurde der entsprechende Plan eingereicht und genehmigt,[121] und im Folgejahr konnte die neue Kirche nach den Plänen von Johann Jegen, Speicher,[122] errichtet werden. Man war bemüht, einen Bau zu schaffen, der sich in seinen schlichten, barocken Vorbildern nachempfundenen Formen in das Dorfbild einpaßte. Auf den quadratischen Westturm, der das Satteldach des Schiffes kaum überragt, folgt ein schlichter Salbau mit drei Rundbogenfenstern auf jeder Seite. Ein eingezogener, dreiseitiger Chor, den zwei Okulifenster belichten, begrenzt die Kirche nach Osten, auf seiner Nordseite ist ein niedriger Sakristeibau angefügt. Ebenso schlicht ist das Innere des Kirchleins: den flachgedeckten Saal unterteilen leicht vortretende Wandstützen in seine drei Joche. Nach Osten öffnet ein hoher gerundeter Triumphbogen den Raum zum Chor, das westliche Joch wird von einer Holzempore unterteilt.

Auch die Ausstattung des Gotteshauses ist eher bescheiden, und doch bewahrt auch dieses Kirchlein ein paar Kostbarkeiten. Den signierten neogotische Hochaltar, der noch aus der Vorgängerkirche stammt, arbeitete um 1895 die Schreinerwerkstatt Lichter[123] in Gilzem als Baldachinaltar. Zwei zur gleichen Zeit entstandene Terrakottastatuen der Muttergottes und ihres Bräutigams, des heiligen Joseph, füllen seine Nischen aus. Das Mittelteil ist leicht erhöht, im unteren Teil hat der Tabernakel Platz gefunden, das Oberteil dient als Expositorium zur Aussetzung des Allerheiligsten.

Am vorderen rechten Wandpfeiler finden wir eine Steinstatue des Kirchenpatrons, des heiligen Brictius.[124]Dieser war Schüler und Nachfolger des heiligen Martin von Tours und hatte diesen Bischofssitz fast fünfzig Jahre inne (397-444). Ihm ist die erste Martinskirche in dieser Stadt zu verdanken. Als Bischof wurde in den ersten Jahren seines Wirkens ein lasterhaftes Leben nachgesagt. Diese Verleumdungen erklären sich zum Teil daher, daß er weniger asketisch lebte als sein berühmter Vorgänger. Die Anschuldigungen wurden sogar vor einer Synode zur Sprache gebracht, konnten aber als boshafte Diffamierungen enttarnt werden. Eine dieser Unterstellungen sagte ihm nach, ein uneheliches Kind zu haben. Erst als der heilige Bischof glühende Kohlen in sein Gewand gelegt, diese an seine Brust gedrückt zum Grab des heiligen Martin getragen und auf dieses unversehrt niederlegt hatte, glaubte man ihm. Daher wird er gerne als Bischof mit Kohlen oder einem Wickelkind in den Armen gezeigt, bisweilen auch mit drei Ähren. Sein Festtag ist der 13. November, er ist Patron der Richter. Unsere etwas gedrungene, barocke Steinfigur zeigt ihn als Bischof mit dem Bischofsstab in seiner Rechten und einem aufgeschlagenen Buch in seiner Linken. Formal zeigt dieses bäuerlich wirkende Werk ebenfalls eine gewisse Nähe zu den weiter oben beschriebenen steinernen Statuen in Niederstedem und Messerich, fällt gegenüber diesen aber etwas ab.

Weitaus älter ist die kleine hölzerne Marienstatue links neben dem Chorbogen. Sie entstand in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. 1919 fand man sie auf dem Speicher der alten Kapelle; sie wurde nach den vorhandenen Farbresten neugefaßt sowie um Hände, Kind und Krone ergänzt. Nach einer Notiz des 19. Jahrhunderts im Pfarrarchiv hat diese Figur einst der Klosterkirche auf dem Helenenberg gehört und wurde dort bei Prozessionen umhergetragen.[125]

Die restliche Ausstattung - eine Herz-Jesu-Statue sowie das große Kreuz - stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die heutige Farbfassung sowie liturgische Neugestaltung des Altarraumes stammen von der letzten Renovierung in den Jahren 1981/82.

Birtlingen

Ein kurzer Blick auf den Ort, seine Lage und Geschichte

Etwa ein Kilometer nördlich von Messerich duckt sich das Dörfchen Birtlingen in dem engen Nimstales an den Hang einer Keuperhöhe. Das Flüßchen schlägt hier einen Bogen, deshalb besitzt der Ort kaum Möglichkeiten, sich auszudehnen. So konnte es seine Ursprünglichkeit über die Zeit bewahren. Jenseits des Flusses liegen östlich der 1882 errichtete Hof Eppersborn sowie knapp 2 Kilometer nördlich das Gut Hungerburg. Ebenfalls auf der Gemarkung der Ortschaft lag im nordwestlichen Bereich die ab 1270 urkundlich nachweisbare Wüstung Nüdingen, die wohl einst der Stammsitz der im Nimstal und in Bitburg recht begüterten Familie Cob von Nüdingen war.

Das Dorf selbst wird 893 im Prümer Urbar als "Berzelingen" erwähnt. Die Abtei besaß hier eine Hufe Land. Die Luxemburger Feuerverzeichnisse geben auch Aufschluß über die Größe dieses Dorfes im ausgehenden Mittelalter. Danach schwankte die Zahl der Feuerstätten zwischen vier (1473) und sechs (1541). Wie auch in den anderen Dörfern dieser Gegend sank diese Zahl in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges infolge dieser Wirren und der wiederholt auftretenden Pest auf zwei (1624). In den folgenden Jahrhunderten blieb die Zahl etwa konstant bei vier Haushalten. Im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl auf 69 an (1840/1895), im vergangenen Jahrhundert hatte Birtlingen mit 92 Einwohnern (1953) seinen bisherigen Höchststand erreicht. Heute (Mai 2001) zählt es 85 Mitbürger.[126]

Beschreibung der Privatkapelle St. Sebastian und seiner Ausstattung

Der älteste im Dorf erhaltene Bau ist die Kapelle des Hofes Elsen in der Hauptstraße 12. Diese Anlage war vermutlich das einstige Hofgut der Abtei Prüm, zu dem auch das schlichte Gotteshaus gehörte. Das dem heiligen Sebastian[127] geweihte Kirchlein schließt das weite Viereck des Hofes zur Straße hin ab und ist mit den ehemaligen Stallgebäuden durch einen Torbogen verbunden, der von 1741 stammt. Vermutlich wurde das nur von einem Fensterpaar belichtete Kirchenschiff kurz vor diesem Datum errichtet. An diesen schlichten, flachgedeckten niedrigen Raum schließt sich, durch einen spitzbogigen Triumphbogen verbunden, der dreiseitig schließende, gewölbte gotische Chor an. Seine kräftigen Gewölberippen, die auf runden Eckdiensten aufsitzen, scheinen direkt aus dem Boden zu wachsen. Bemerkenswert ist der Schlußstein, den ein kreuztragendes Lamm ziert. Dieses kann als Lamm Gottes interpretiert werden und würde an dieser Stelle auf das Opfermahl hinweisen, das unmittelbar darunter auf dem Altar gefeiert wird. Wahrscheinlich wies es aber zugleich auch als sogenanntes "Prümer Lamm" auf die Abtei als Eigentümerin der Kapelle hin. Diesen alten Raumteil belichtet zum Hof hin ein schlichtes gotisches Dreipaßfenster. Noch aus der Erbauungszeit des Chores stammen der schlichte gemauerte Blockaltar mit seiner abgeschrägten Altarplatte und die seitlich in die Mauer unterhalb des Fensters eingelassene Piscina.

Schmuckstück des Gotteshauses ist das hölzerne, barocke Säulenretabel, das auf dem steinernen Altarblock aufsitzt. Knorpelwerk wuchert an seinen Seiten empor und aus dem Aufsatz hervor, den ein Kreuz krönt. Die mit Rocaillen verzierte Nische, in der heute eine nazarenische Marienstatue aus Terrakotta von der Trierer Firma Carl Walter steht, wurde später eingefügt.

Über dem Scheitel des Triumphbogens hängt ein bäuerlicher Kruzifix, zwei weitere nazarenische Terrakottastatuen rahmen ihn ein. Links erkennen wir mit ihrem Turm und der Martyrerpalme die heilige Barbara wieder, rechts den Kirchenpatron, St. Sebastian[128]. Wenig wissen wir auch über diesen frühchristlichen Märtyrer, der aus Mailand stammte und in Rom starb. Seine legendarische Leidensgeschichte berichtet, als Offizier der kaiserlichen Garde sei er mit Pfeilen hingerichtet worden. Die fromme Witwe Irene fand den Halbtoten und pflegte ihn gesund. Mit großem Freimut sei der Soldat erneut vor den Kaiser getreten, worauf man ihn mit Keulen erschlug. Sein Gedenktag ist der 20. Januar. Dargestellt wird er meist als junger, oftmals entblößter Soldat, an einen Baum gebunden und mit Pfeilen durchbohrt, aber auch in Ritterrüstung und mit Pfeilen in der Hand. Gemeinsam mit dem heiligen Rochus wurde er besonders als Pestpatron[129] sehr verehrt. Weitere Patronate, die man ihm zugeordnete, sind die der Eisenhändler, Gerber, Gärtner, Kreuzritter, Kriegsinvaliden, Schützengilden, Soldaten, Steinmetzen, Tuchmacher und Zinngießer. Ferner rief man ihn gegen Ketzerei und Religionsfeinde um Hilfe an. Vielleicht hängt das hiesige Kapellenpatrozinium mit seiner Verehrung als Pestpatron zusammen, wurde doch das Nimstal wiederholt von dieser verheerenden Krankheit heimgesucht.

 

 

Abbildungsverzeichnis

Ich danke Herrn Dr. Gerhard Boskamp herzlich für die Erlaubnis, die von ihm in seiner Dissertation über die Baumeister Wolff veröffentlichten Planzeichnungen im Rahmen dieses Heftes wiedergeben zu dürfen. Der alte Grundriß der Kirche Messerich wurde dem Werk von Wackenroder entnommen. Alle übrigen Aufnahmen stammen vom Autor.

 

Literaturverzeichnis

An dieser Stelle sind nur die Werke genannt, die sich direkt mit den Orten beschäftigen. Weiterführende Literaturhinweise finden sich in Anmerkungen.

 

Altmann, Bernd u. Hans Caspary: "Kreis Bitburg-Prüm - Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel", erschienen als Band 9.2 in der Reihe: "Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz" in der Serie "Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland", Worms 1997

Berens, Michael: "Die Kirchen und Kapellen des Bitburger Landes", erschienen als Sondernummer 8/9 in den "Beiträgen zur Geschichte des Bitburger Landes", 1992

BEYER, Heinrich: "Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussichen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bilden­den mittelrheinischen Territorien, Coblenz, 3 Bde. 1860 - 1874

Boskamp, Gerhard: "Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten", Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag)

GOERZ, Adam: "Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusam­menstellung des Quellen-Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier in kurzen Auszügen", 4 Bde., Coblenz 1876 ‑-1886

IRSCH, Nikolaus: "Die Trierer Abteikirche St. Matthias und die trierisch‑lothringische Baugruppe", Augsburg 1927

KUBACH, Hans Erich und Albert VERBEEK: "Romanische Baukunst an Rhein und Maas", 4 Bde., Berlin 1976 - 1989

Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld

Pauly, Ferdinand: "Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier: Das Landkapitell Kyllburg-Bitburg", Trier 1963, sowie Bd. 10: -Zusammenfassung-, Trier 197

WACKENRODER, Ernst: "Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg", Düsseldorf 1927

Anmerkungen



[1]BEYER, Heinrich: „Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussichen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bilden­den mittelrheinischen Territorien“, Coblenz, 3 Bde. 1860 ‑ 1874, hier: Bd. 1, Nr. 516; GOERZ, Adam: „Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusam­menstellung des Quellen‑Materials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Coblenz und Trier in kurzen Auszügen“, 4 Bde., Coblenz 1876 ‑ 1886, hier: Bd. 1, Nr. 1967.

 

[2]So genannt bei WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 182. Dort wird die weibliche Person als Ceres bezeichnet. Die neueste Forschung nennt den unvol­lendeten Block einen „unfertigen Viergötterstein“, die Frauengestalt wird als Juno identifiziert, vgl. BINSFELD, Wolfgang u. a.: „Katalog der römischen Steindenkmäler des Rheinischen Landesmuseums Trier. 1. Götter‑ und Weihedenkmäler“, Mainz 1988, S. 181f.

 

[3]Vgl. MÜLLER, Max: „Die Ortsnamen im Regierungsbezirk Trier“, Son­derausgabe aus Jahresberichten der Gesellschaft für nützliche For­schungen, Trier 1910, S. 57. Laut dem „Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen“, Trier, von 1906 ist der Ort sogar schon 762 mit dem römischen Namen „Marciacum“ genannt.

 

[4]So sollen allein in Frankreich 3667 Kirchen und Klöster die­sem Heiligen geweiht gewesen sein, vgl. WIMMER, Otto und Hart­mann MELZER: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck, 51984,S. 567.

 

[5]Vgl. Pauly, Ferdinand: „Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier: Das Landkapitell Kyllburg-Bitburg“, Trier 1963, S. 207.

 

[6]Die folgenden Angaben betreffen nur den Ort Messerich.

 

[7]Vgl. hierzu und zum Folgenden: Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 282.

 

[8]So hat sich eine Urkunde vom 16. Mai 1633 erhalten, in der der damalige Pfarrer von Meckel, Jacobus Rodt, dem Amtmann von Clerf, Luxemburg, mitteilte, daß das Dorf Wolsfeld fast gänzlich verlassen sei, „da itzonder daselbsten die boese lufft gar szarck regirt“. Vgl.: Simmer, Mario: „Serie der Pfarrer und Pfarrverwalter in Meckel“, erschienen in: „Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes“, Heft 28, 8. Jahrgang, Nr. 3/1997, S. 29ff. Nachdruck in: Hahn, Frank-Oliver: „Meckel – St. Bartholomäus. 100 Jahre Kirchweihfest 1899-1999“, Wolsfeld 1999 (Eigenverlag), S.51ff, Zitat s. S.57f.

 

[9]Gesamteinwohnerzahl, Stand vom Mai 2001.

 

[10]Vgl. KUBACH, Hans Erich und Albert VERBEEK: „Romanische Baukunst an Rhein und Maas“, 4 Bde., Berlin 1976 ‑ 1989, hier: Bd. 2, S. 775.

 

[11]Vgl. WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 183 sowie S. 182 (dort Hinweis auf eine handschriftliche Quelle: „Aufforderung des Herrn Veyder von Malberg v. J. 1776 an den Pfarrer zu Falkenstein zum Beitrag an den näher bezeichneten Reparaturen“).

 

[12]Vgl. zu diesem und den anderen Geistlichen der Pfarrei in diesem Heft den entsprechenden Artikel von Hubert Schaal und Alois Schleder über die Pfarrer von Messerich.

 

[13]Vgl. hierzu und zu den folgenden Ausführungen und den dortigen Zitaten über den Neubau: Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), besonders S.118-125.

Die handschriftlichen Quellen (Bauakten etc.) finden sich: im Bistumsarchiv Trier – BATr, Pfarrakten Messerich, 70, 3882-3886 sowie 71,182,4.5.19; im Staatsarchiv Koblenz – St.-A. Kbl., Abt 442, Nr. 5251; sowie in den Kreisakten Bitburg – Kr.-A. Bitburg, Fach 2, Nr. 1, 1877.

 

[14]Zu Schmidt, Christian Wilhelm heißt es bei Weyres, Willy und Albrecht Mann: „Handbuch zur rheinischen Baukunst des 19. Jahrhunderts 1800-1880“,Köln 1968, S.91: „Baumeister in Trier um die Mitte des 19. Jahrhundert“. Als Werke werden aufgelistet: Trier, Bericht über die Verwendungsmöglichkeiten der Basilika (um 1840); Otrang b. Fließem, Ausgrabung der römischen Villa 1843; Donsbrüggen bei Kleve, nichtausgeführter Entwurf für die kath. Pfarrkirche 1851; Velau/Westfalen, nicht ausgeführter Plan für die kath. Pfarrkirche 1852; Saarburg, Kath. Pfarrkirche vermutlich von ihm, 1853-54; Wiederherstellung der Trierer Liebfrauenkirche, seit 1864 unter Vinzenz Statz. Darüber hinaus sind mehrere Veröffentlichungen von ihm, alte Baudenkmäler in Trier und Umgebung betreffend, bekannt.

 

[15]Noch heute läßt sich am Kirchenbau an zwei Stellen diese Planänderung ablesen: an dem zweiten Wandpfeilerpaar von Westen aus findet sich auf beiden Seiten im Fußbereich eine etwa ziegelsteingroße Lücke. In diesem Bereich endete das ursprüngliche Kirchlein. Vermutlich haben Gerüsthölzer an dieser Stelle gestanden, die bei der Planänderung einfach überbaut und später nicht mehr verschlossen wurden.

 

[16]Vgl. hierzu wie zu den vorangegangenen Zitaten: Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), besonders S.118-125.

 

[17]Bei Boskamp ist als Jahr des Sakristeineubaues versehentlich 1962 angeben (siehe Pfarrakten im Pfarrbüro Wolsfeld).

 

[18]Vgl. Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 19a.

 

[19]Diese gemalten Ranken wuchsen scheinbar aus dem großen Holzkreuz, das an diesem Wandteil über dem Hochaltar hing, heraus. So entstand der Eindruck, als sei der Kreuzstamm der Lebensbaum.

 

[20]Vgl. Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 77f.Sie wurde in Absprache mit dem damaligen Bistumskonservator, Prof. Dr. Alois Thomas, durch den Kirchenmaler Peter Mannebach aus Plaidt ausgeführt.

 

[21]Vgl. KUBACH, Hans Erich und Albert VERBEEK: „Romanische Baukunst an Rhein und Maas“, 4 Bde., Berlin 1976 ‑ 1989, hier: Bd. 2, S.1252f. Ferner IRSCH, Nikolaus: „Die Trierer Abteikirche St. Matthias und die trierisch‑lothringische Baugruppe“, Augsburg 1927, S. 176; s. a. KUBACH, Hans Erich und Albert VERBEEK: „Romanische Baukunst an Rhein und Maas“, 4 Bde., Berlin 1976 ‑ 1989, hier:Bd. 2, S. 775.

 

[22]Irsch sieht in den Strebepfeilern eine Zutat der Barockzeit, für ihn hat „der Erbauer der Strebepfeiler ... ihre Stellung nur auf gefällige Einteilung der Außenwand hin gewählt: er sorgte, daß die Intervalle der Pfeiler gleich groß waren, wenn sie infolgedessen auf nur zwei Drucklinien der Wölbung unmittelbar Halt gewährten.“ Vgl. IRSCH, Nikolaus: „Die Trierer Abteikirche St. Matthias und die trierisch‑lothringische Baugruppe“, Augsburg 1927, S.176.

 

[23]Siehe hierzu weiter unten unter „Ausstattung“ beim Martinus-Altar.

 

[24]Vgl. WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 183.

 

[25]KUBACH, Hans Erich und Albert VERBEEK: „Romanische Baukunst an Rhein und Maas“, 4 Bde., Berlin 1976 ‑ 1989, hier:Bd. 2, S. 775.

 

[26]Vgl. IRSCH, Nikolaus: „Die Trierer Abteikirche St. Matthias und die trierisch‑lothringische Baugruppe“, Augsburg 1927, S. 176: „Die Seitenschiffe hatten merkwürdi­gerweise Tonnengewölbe, die in der Richtung der Längsachse der Kir­che liefen.“

 

[27]IRSCH, Nikolaus: „Die Trierer Abteikirche St. Matthias und die trierisch‑lothringische Baugruppe“, Augsburg 1927, S. 177.

 

[28]Zu diesem Abschnitt vergleiche Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag). Zur Person von Johann Georg Wolff besonders S. 16-43, zu der seines Sohnes Peter Josef Julius die S.173-195. Die Zitate in diesem Abschnitt beziehen sich, sofern sie nicht anders ausgewiesen werden, auf die dortigen Seiten.

 

[29]Vgl. zur Orgelempore bei Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), S. 153-169.

 

[30]Siehe zu Palzem bei Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), S. 45-75.

 

[31]Siehe zu Bollendorf bei Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), S. 77-113. Die scheinbar sehr lange Entstehungszeit von Beginn der ersten Planung an bis zur Bezugsfertigkeit der Kirche erklärt sich schlicht durch eine Grundstücksangelegenheit, die es im Zuge der Baumaßnahme zu klären galt und die sich über mehrere Jahre hinzog.

 

[32]Vgl. Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), S. 31.

 

[33]Vgl. Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), S. 175.

 

[34]Vgl. hierzu ausführlich Boskamp, Gerhard: „Die Baumeister Wolff aus Trier und Bitburg und ihre Kirchenbauten“, Dissertation, Aachen 1999 (Eigenverlag), besonders S. 175-188.

 

[35]Boskamp nennt hier: Bollendorf, Pk St. Michael (1. Umbau 1854, 2. Umbau 1865); Peffingen, Fk St. Apollonia (1854); Kruchten, Pk St. Maximin (1854); Neuerburg, St. Nikolaus (1855); Outscheid/Utscheid, Pk St. PetrusUmbau und Erweiterung (1856-57); Herforst, Pk St. Eligius (1856); Weidingen, Pk St. Marien vom Berge Karmel (1857); Messerich, Pk St. Martin Turmbau (1857); Sülm, Pk St. Petrus (1858); Dudeldorf, Pk Mariä Königin (1860); Metterich, Pk St. Eucharius (1862); Gindorf, Pk St. Urban (1863); Kyllburg, Stiftskirche Maria Himmelfahrt Restaurierung (1864-65); Fließem, Pk Kreuzerhöhung und St. Stephan (1873); Kaschenbach, Fk St. Michael, neuer Turm (1874); Orsfeld, Fk St. Petrus (1875). Pk steht hier und im Folgenden für „Pfarrkirche“, Fk für Filialkirche.

 

[36]Boskamp zählt in chronologischer Reihenfolge auf: Nusbaum, Pk St. Petrus (1847-48), Seffern, Pk St. Laurentius (1852-54), Wilsecker, Fk St. Nikolaus (1854-56), Beilingen, Fk St. Johannes Bapt. (1856-57), Karlshausen, Pk St. Bartholomäus (1861-64), Lahr, Pk Hl. Kreuz (1865-67), Waldkönigin, Fk St. Lucia (1871-72), Berlingen, Fk St. Barbara (1873-74) sowie Nattenheim, Fk St. Hubertus (1874-76). Waldkönigin wird nur als „Ausführung“ bezeichnet und im Katalog der Neubauten nicht weiter beschrieben.

Auffallend ist sowohl bei den Um- wie bei den Neubauten, daß nach 1875/76 keine weiteren Werke bei Boskamp aufgezählt werden, obwohl Wolff noch fast drei Jahrzehnte als Kreisbaumeister tätig war. Diese Lücke ergibt sich auf Grund der Aktenlage, in der sich für diesen Zeitraum keine Aussagen über weitere kirchliche Bauten finden lassen.

 

[37]Siehe Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, darin S. 122-130 schreibmaschinenschriftliche Ergänzung für die Jahre 1967-1975, erstellt von Pfr. Otto Schorr, hierzu: S. 128.

 

[38]Diese stammte von 1714, vgl. WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 184, und war aus Stein. Ihren Sockel bildete eben dieser Sockel, der Korb war aus den genannten drei Sandsteinplatten zusammengefügt. Den hölzernen Schalldeckel bekrönten Voluten, die ursprünglich in einer vergoldeten Kugel mit einem Kreuz mündeten.

 

[39]Siehe Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, darin S. 122-130 schreibmaschinenschriftliche Ergänzung für die Jahre 1967-1975, erstellt von Pfr. Otto Schorr, hierzu: S. 128. Bei dieser Renovierung wurde eine neue Inschrift angefertigt: „Renoviert 25. 1. 1971 von Schreiner Karen L. und Sohn H.“.

 

[40]Ebenfalls in Edingen befindet sich eine Steinkanzel, die wohl von dem gleichen Meister stammt und mit 1624 datiert ist. Sie zeigt, wie eines der Altarfragmente, das gleiche Wappen mit den Initialen AS.

 

[41]Vgl. Balke, Franz: „Über die Werke des kurtrierischen Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann († 1616)“, erschienen in: „Trierer Jahresberichte VII und VIII – II. Teil“, hrsg. von der Gesellschaft für nützliche Forschungen Trier, Trier 1916, dort S. 89.

 

[42]Vgl. WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 184. Möglicherweise sind damit die beiden alten Sandsteinfiguren gemeint, die heute auf den Rokokotüren stehen. Dann aber handelt es sich bei der vermeintlichen Marienfigur um eine Darstellung der heiligen Elisabeth. Beide Statuen passen zwar bezüglich der Höhe in diese Nischen, nicht aber in puncto Breite. Stilistisch stimmen beide Werke mit der Martinsfigur, die diesen Altar bekrönt, überein. Dies wird besonders bei der Bettlerhalbfigur, die zu Füßen Elisabeths kniet, deutlich: in Gestalt und Form ist sie eine Replik der gleichen Figur, die dem heiligen Martin beigegeben ist.

 

[43]Vgl. hierzu sowie zu den anderen kurzen Heiligendarstellungen: Braun, Joseph: „Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst“, Berlin 31988; Schauber, Vera u. Hanns Michael Schindler: „Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf“, Augsburg 1992; Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984.

Im Wortstamm „Wendel“ liegt wahrscheinlich die Bezeichnung für den germanischen Volksstamm der Vandalen zugrunde, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 845.

 

[44]Vgl. hierzu: Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, darin S. 20b. Matthias Zens wurde am 20. März 1839 in Schwarzenborn geboren, kam schon vor 1869nach Gent, wo er ein Atelier für christliche Kunst gründete, das großes Ansehen genoß. Zeitweise beschäftigte er mindestens 50 Personen. (So in einem Brief vom 23. Dezember 1910 des Bernhard Schons, einem Neffen des Bildhauers aus Bruderholz bei St. Thomas, an den damaligen Franziskanerpater und Präses des Klosters St. Thomas. Dieses Schreiben findet sich zusammen mit drei anderen Briefen im Besitz der Familie Schons in Bruderholz.) Matthias Zens blieb Zeit seines Lebens Junggeselle und verstarb am 3. Oktober 1921 nach längerem schweren Leiden. Mit seiner Eifelheimat blieb er stets verbunden. In jüngerer Zeit wird die Qualität seiner Werke wiederentdeckt. Von ihm stammen unter anderem die Figuren des neugotischen Hochaltares in der Stiftskirche zu Kyllburg sowie ein Großteil der Ausstattung der Trierer St. Paulus-Kirche. Zu den Lebensdaten des Meisters sei hingewiesen, daß die hier angegebenen von seinem Totenzettel stammen, während in einer Totenanzeige einer Tageszeitung (Trierische Landeszeitung oder Trierischer Volksfreund) jeweils ein Tag später genannt wird: * 21. März, † 4. Oktober.

 

[45]Der Name leitet sich aus dem Hebräischen ab und bedeutet „Gott hat geschworen“, nach anderen Namensdeutern: „Gott ist die Sieben“ (d. h. vollkommen), vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 240.

 

[46]Der Name stammt aus dem Griechischen und heißt: „die dem Gott Apollos Geweihte“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 143.

 

[47]In seinem Werk: „Der Gottesstaat“, I 26, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 143.

 

[48]Der Name leitet sich von der lateinischen Gottheit Mars ab und bedeutet: „Der dem (Kriegsgott) Mars Geweihte“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 565. Diesen Namen hatte sein Vater, selber römischer Offizier, im Hinblick auf die Zukunft, die er für seinen Sohn ins Auge gefaßt hatte, ausgewählt. Er wollte, daß sein Sohn einmal wie er als Soldat dem römischen Kaiser diente. Zum Heiligen und seiner Verehrung in unserer Gegend siehe u. a.: HAHN, Frank-Oliver: „Zur Verehrung des heiligen Martin bis in fränkische Zeit“, erschienen in: „Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes“, Heft 29, 8. Jahrgang Nr. 4 1997, S.23-36.

 

[49]Dies ist ein Ungetaufter, sprich Heide, der Christ werden will und dessen Wunsch nach Eintritt in die Kirche feststeht und in einer entsprechenden Aufnahmefeier in Stand des Katechumenats steht. Dadurch ist er schon der Kirche verbunden, darf Segnungen empfangen und auch ein christliches Begräbnis erhalten, sofern er vor seiner Taufe stirbt. Vgl. hierzu den Artikel zu Katechumenen im LthK, Lexikon für Theologie und Kirche, hrsg. v. Kaspar, Walter u. a., Bd. 5, Freiburg/Br. 1996, Sp.1323f.

 

[50]Vgl. hierzu: INVENTAR der Pfarrei Messerich, 1906 und später ergänzt, aufgestellt von Pfarrer Oster, im Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, darin S. 20ff.

 

[51]Der Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet: „die allzeit Reine“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 481f.

 

[52]Ihr griechischer Name, der sich auch im Wort „Barbaren“ findet, heißt: „die Fremde, die Ausländerin“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 156.

 

[53]Ein bekanntes Sprichwort nennt die unter den Vierzehn Nothelfern verehrten drei heiligen „Madeln“ im Reim: „Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.“ Diese genossen als Schützerinnen des Nährstandes (Margareta), des Lehrstandes (Katharina) sowie des Wehrstandes (Barbara) große Verehrung. – Auf eine kurze Vorstellung Mariens, der Mutter Christi, sowie des heiligen Joseph, des Pflegevaters Jesu, verzichte ich in diesem Zusammenhang. Sie dürften auch heute noch vielen gut genug bekannt sein.

 

[54]Zum heiligen Quintinus siehe auch weiter unten. Pfarrer Schorr – vgl. Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, maschinenschriftliche Ergänzung S. 126 – berichtet, daß bei den Ausschachtungsarbeiten zum Keller der Sakristei 1969 eine in zwölf Teilen zerbrochene Steinstatue, die wahrscheinlich den heiligen Wendelinus darstellte, gefunden wurde und zwecks späterer Restauration ins Pfarrhaus gebracht wurde. Seitdem ist sie leider verschwunden. Möglicherweise handelte es sich bei ihr um eine der beiden verlorengegangenen männlichen Heiligenfiguren des Altares.

 

[55]Siehe WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 184, ferner Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 43.

 

[56]Gekauft am 21. September 1898 kostete der Altar mit zusätzlichen Figuren und einer Vergoldung, die 1907 ausgeführt wurde, insgesamt 3052,30 Mark, wie das Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 43, verzeichnet hat.

 

[57]Es wurden auch zwei Engelputten des Altares aufbewahrt, die man auf die Bekrönung des Marienaltares setzte, wo sie auf den älteren Photographien zu erkennen sind. Diese Figuren wurden bedauerlicherweise bei einem Einbruch in die Kirche in den 1970er Jahren entwendet.

 

[58]Der sich aus dem Hebräischen ableitende Name bedeutet: „Gott ist gnädig“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 423ff.

 

[59]So geschehen Ende 1999, Anfang 2000. Die Statuen, die einst in den Nischen und Ädikulen dieses Altares standen, sind bei der Pfarrgemeinde Messerich verblieben und wurden zum Teil in der Pfarrkirche (Herz Jesu, Herz Mariä), zum Teil in der Filiale Niederstedem (Auferstehungschristus, Erzengel Michael) aufgestellt.

 

[60]Dieser schenkte der Kirche für den Hochaltar zwei Engelstatuen aus Gips, die sich heute nicht mehr auffinden lassen.

 

[61]Vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 734.

 

[62]Sein Name lautet im Griechischen „Panteleimon“, „der All-Erbarmer“. Er erlitt unter Kaiser Diokletian um 305 das Martyrium. Die legendarische Passionsgeschichte erzählt, er sei Leibarzt des Kaisers Maximinus Herculeus gewesen und habe sich zum Christentum bekehrt. Von einem Kollegen denunziert erlitt er viele Martern. An einen Ölbaum gebunden, die Hände auf das Haupt genagelt, habe er noch für seine Henker Gottes Barmherzigkeit erfleht, worauf die Stimme Christi vom Himmel her ihn daraufhin Pantaleémon, All-Erbarmer, nannte. Sein Gedächtnis feiern wir am 27. Juli. Er wird vielfach in einem langen Mantelgewand dargestellt, die Hände auf den Kopf genagelt. Als einer der Vierzehn Nothelfer genoß er in früherer Zeit in unseren Gegenden große Verehrung. Er ist der Patron der Ärzte und Hebammen. Vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 634.

 

[63]Dieser lateinische Name bedeutet übersetzt: „der Fünfte“. Statt ihren Kinder einen eigenen Rufnamens zu geben, zählten die Römer diese auch öfters einfach ihrem Alter nach, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 691.

 

[64]Vgl. WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 185: „Figur des hl. Martinus, von französischem Kalkstein, 16. Jh..“Wackenroder fährt dann mit seiner Beschreibung fort: „Harnisch mit Beinschutz über dem Oberschenkel, Pluderhosen bei bloßen Knien, umgelegten Strümpfen und geschlitzter Mütze.“ Damit aber schildert er das Aussehen der Reiterstatue auf dem rechten Seitenaltar, nicht die französische spätgotische Steinfigur, die er zuvor nennt.

Bezüglich der Attribute Buch und Bischofsstab lesen wir bei Braun, Joseph: „Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst“, Berlin 31988,S. 511: „Attribute, die den Heiligen als Bischof kennzeichnen, wenn er als solcher dargestellt ist, sind Bischofsstab und Buch. Ersterer ist ständiges Attribut, letzteres fehlt, weil durch andere verdrängt, sehr häufig.

 

[65]Dieser Bildschnitzer war „einer der letzten Altmeister sakraler Kunst“, wie es in seinem Nachruf in dem „Kirchlichen Sonntagsblatt“ des Bistums Limburg vom 8. 8. 1958 heißt. Geboren am 12. Dezember 1872 in Trier, begann er dort 1886 seine Lehre in einer keramischen Werkstatt. Nach Abschluß seiner Lehre setzte er seine Ausbildung in Ravensburg fort, später wurde er in Beuron Schüler von Desiderius Lenz. Später ließ er sich in Frankfurt nieder, ehe er 1899 nach Eltville übersiedelte. Seine Werkstatt umfaßte bald 10 bis 15 Mitarbeiter.

Von ihm stammen unter anderem Altäre in Saarlouis St. Ludwig, in Schwalbach/Saar St. Martin, in Püttlingen und St. Wendel, in Wiesbaden in der Dreifaltigkeitskirche (Marienaltar) und im Hl. Geist Hospiz, in Berlin, Landsweiler-Reden (Marienaltar auch dort), Hannover. Sein letztes Werk war ein Hochrelief aus poliertem Carraramarmor für St. Gangolf in Trier. Ein weiteres Werk, eine Christkönig-Herz-Jesu-Statue, finden sich in Niederstedem, s. weiter unten.

Hans Steinlein arbeitete lange Zeit mit dem Mainzer Dombaumeister Prof. Ludwig Becker zusammen, für den er viele Kirchen ausstattete. Darüber hinaus wurde er wegen seiner großen Erfah­rung wiederholt von Staatskonservator Paul Clemen und entsprechenden Landesbehörden als Berater in denkmalpflegerischen Fragen geschätzt. Hans Steinlein verstarb am 10. Juli 1958 in Eltville. Siehe: Hahn, Frank-Oliver: „Die Herz-Jesu-Kirche des Architekten Lambert von Fisenne in Landsweiler-Reden – Ein Beitrag zur Bau- und Ortsgeschichte“, erschienen in: „Ars et ecclesia –Festschrift für Franz J. Ronig zum 60. Geburtstag“, hrsg. von Stork, Hans-Walter u. a., S. 191-215, hierzu: S. 201, Anm. 48.

Bezüglich des Wirkens von Hans Steinlein als Restaurator haben wir in der gotischen Statue des hl. Martin als Bischof ein Beispiel dafür vor uns. Sie wurde laut Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 67f im Jahr 1941 von dem Bildhauer grundlegend überholt.

 

[66]Vgl. Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 81f.

 

[67]Die beiden Fenster des westlichen Joches ohne Bildnisse.

 

[68]Augustinus ist eine Weiterbildung des lateinischen Wortes „augustus“: „der Erhabene“, Monika stammt aus dem Punischen: „die Göttin“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 151f sowie S. 594f.

 

[69]Vgl. Augustinus: „Bekenntnisse“, Buch 9, Kapitel 10-12.

 

[70]Vgl. Augustinus: „Bekenntnisse“, Buch 9, Kapitel 2.

 

[71]Die sogenannten Sieben freien Künste (septem artes liberales) werden in eine Dreier- und eine Vierergruppe unterteilt und umfassen folgende Disziplinen: Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Trivium) sowie Musik, Astronomie, Arithmetik und Geometrie (Quadrivium). In der Antike dienten sie im Heidentum der Philosophie, im Christentum dem Bibelstudium zur Vorbereitung.

 

[72]Nach ihrem Gründer, dem Babylonier Mani, benannte Sekte, die sich als Lehre der beiden Prinzipien Licht und Finsternis, Gut und Böse begreift und persische Ideen mit christlichem Gedankengut vermischte. Auf Grund ihres missionarischen Eifers verbreitete sich die Gemeinschaft sowohl nach Asien wie auch bis in den Mittelmeerraum aus, wo sie sich bis ins 6. Jahrhundert halten konnte. In der südchinesischen Provinz Fukien blieb sie sogar bis ins 16. Jahrhundert lebendig. Vgl. hierzu den Artikel „Mani“ im LthK, Lexikon für Theologie und Kirche, hrsg. v. Kaspar, Walter u. a., Bd. 6, Freiburg/Br. 1997, Sp.1265ff.

 

[73]Dies erinnert an jene bekannte Legende, nach der Augustinus einmal am Meerufer entlangging, über das Wesen der göttlichen Dreifaltigkeit nachsinnend. Da traf er einen Knaben, der schöpfte mit einer Muschel Meerwasser in eine Sandgrube. Der Gelehrte erkundigte sich, was er denn mache. „Ich schöpfe das Meer aus“, erwiderte das Kind ihm ernsthaft. „Und du meinst, es wird gelingen?“, fragte der Heilige lächelnd. „Eher gewiß, als es dir gelingen wird, das Wesen Gottes zu erfassen“, entgegnete der Bube und verschwand.

 

[74]Früher wurde sie am 4. Mai gefeiert, dem Vortag des Festes der Bekehrung Augustini.

 

[75]Beide Namen leiten sich aus dem Althochdeutschen ab, Heinrich bedeutet „der auf seinem Besitztum mächtig, reich ist“, Kunigunde „die für ihre Sippe Kämpfende“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 351f sowie S. 499.

 

[76]Notburga, ein althochdeutscher Name, heißt „Schützerin in Gefahr“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 614f.

 

[77]Zum heiligen Wendelin siehe weiter oben bei der Beschreibung des rechten Seitenaltares. Das Fenster trägt als Bildunterschrift den Gebetsruf: „St. Wendelin verlaß uns nie / Schirm unsern Stall, schütz unser Vieh“.

 

[78]Pastor Josef Peter Oster wirkte von 1903 bis 1952 fast ein halbes Jahrhundert lang als Geistlicher in der Pfarrei und führte sie als Seelsorger durch die schwierigen Zeiten der beiden Weltkriege. Das angegebene Datum 1903-1943 gibt damit auch indirekt das Jahr der Anschaffung dieser Fenster preis: eben 1943, mitten in den Kriegswirren. Es ist eben keineswegs so, daß in Kriegszeiten das Kunstschaffen gänzlich zum Erliegen und es zu keinerlei Anschaffungen mehr käme, wie vielfach grob verallgemeinernd angenommen wird.

 

[79]Auf die bewegte Geschichte der Glocken der Kirche sei in dieser Anmerkung kurz eingegangen. Sie erschließt sich aus den recht umfangreichen Aufzeichnungen im Lagerbuch der Pfarrei. Bis 1905 taten zwei alte Bronzeglocken ihren Dienst. Sie waren angeblich nicht viel wert und hatten einen blechernen Klang. Die ältere wog rund 7 Zentner, trug die Inschrift: „Maria heißen ich – alle bös Weder verdreiwen ich – Clais vun Echternach gos mich“ und ist von 1479 (MCCCCLXXIX) datiert. Sie schlug den Ton a. Die zweite wog circa 4 Zentner, schlug den Ton cis, ihre Inschrift lautete: „Parochia de Messerich sive parochialis ecclesiae S. Martinus eques / Secundavis S. Joes evangelista S. Wendalinus S. Lamberty S. Elisabeth vidua.“ Das Jahr des Gusses war 1765, auf der Rückseite stand ferner zu lesen: „W. Stock gos mich.“

Dieses Geläut wurde 1905 an die Fa. Otto in Bremen-Hemeldingen verkauft und dort das neue, dreiglockige Geläut gegossen. Dies ermöglichte das Testament des 1903 in Messerich verstorbenen Pfarrers Dr. Jakob Krimmel, der seiner Pfarrstelle zu diesen Zweck 5000 Mark vererbt hatte. Die Daten und Inschriften dieses Geläutes: a.) 952 kg, Durchmesser 152 cm, Ton f, Inschrift: „St. Jacob, sei uns Schutz und Wehr / Hilf wirken uns zu Gottes Ehr – 1905“; b.) 569 kg, Ton as, Inschrift: „Mutter Anna reich die Hände / Aus dereinst am Lebensende! 1905“; c.) 403 kg, Ton b, Inschrift: „St. Wilhelm und St. Catharin’ / Gebt Tugend uns und frommen Sinn! 1905“.

Alle drei Glocken hatten die Aufgabe, mit ihrem Geläut täglich die Gemeindemitglieder an ein Leben im Glaubens zu erinnern, wie der Eintrag im Lagerbuch verdeutlicht: St. Jakob sollte die Männer, St. Anna die Mütter sowie die kleinste Glocke die Jünglinge und Jungfrauen mahnen, als Christen Vorbilder für andere zu sein. Die Namensgebung richtete sich dabei am Stifter aus. Dieser hieß Jakob mit Vornamen, seine Mutter Anna, zwei seiner Geschwister, die jung verstorben waren, Wilhelm und Katharina. Die Glocken wurden am 9. Oktober 1905 geweiht. Bis 1917 hingen sie im Turm, dann mußten die beiden kleineren zu Kriegszwecken abgegeben werden. Für die nächsten zehn Jahre besaß das Dorf nur eine Glocke. Erst am Christi-Himmelfahrts-Tag, dem 26. Juni 1927, konnten zwei neue Glocken, die man wiederum bei der Fa. Otto in Bremen-Hemelingen bestellt hatte, geweiht und aufgehangen werden. Vgl. hierzu Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 16ff.

Bezüglich der weiteren Glockengeschichte in neuerer Zeit läßt sich feststellen: während des Krieges, am 1. Mai 1940, füllte Pfarrer Joseph Oster einen Meldebogen für Bronzeglocken aus. Er nennt nochmals die Maße der einzelnen Glocken wieder und bezeichnet das gesamte Geläute als musikalisch wertvoll. Im Krieg mußten die beiden größeren Glocken abgeliefert werden (18./19. 4. 1942), sie sind nicht wieder zurückgekommen, daher wurde später der Neuguß zweier Glocken notwendig. 1952 wurden mehrere Angebote eingeholt, den Zuschlag erhielt schließlich die Fa. Mabillon, Saarburg.

Am Palmsonntag 1953, dem 29. März, wurden diese neuen Glocken feierlich geweiht Sie besitzen die Töne f und g und tragen die Inschriften: „St. Martin und St. Wendelin / – Ihr heiligen Schutzpatrone – / Herd und Hirt – Haus und Hof behütet“ (f) sowie „Maria, o Königin / Bitt’, daß uns Gott gibt Kraft und Gnad, / Daß uns an Leib und Seel nicht schad.“ (g). Sie wiegen 20 respektive 40 Zentner. Vgl. hierzu Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 71f.

 

[80]Vgl. dazu besonders Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 286ff

 

[81]Geboren 16. 06. 1754 als Johann Peter der Eheleute Johann Zahlen alias Schwall und der Maria Müller, vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 854, S. 195.

 

[82]Die Heirat fand am 08. 01. 1778. Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 858. S. 196. Siehe auch: Schleder, Alois: „Die Stockgüter in den Orten Dockendorf und Ingendorf. 1. Das Corten-Haus in Dockendorf“, erschienen in „Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes“, Nr. 1, Heft 1, 1990, S.50ff.

 

[83]Geboren im Schmidshaus in Brimingen am 24. 08. 1733, siehe Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Baustert“, Trier 1994, Br 976. S. 232f, gestorben am 13. 11. 1791 in Messerich, vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 783, S. 179.

 

[84]1744 geboren heiratete sie fünfzehnjährig am 22. 12. 1759 Jakob Schmitz, sie verstarb am 25. 03. 1794, vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 783. S. 179 sowie M 913, S. 208. Dieses Beispiel ruft in Erinnerung, daß es in früheren Generationen alltäglich war, Kinder sehr früh zu verheiraten, wobei sich nicht wenige Beispiele in den Familienbüchern finden lassen, wo die Mädchen noch jünger waren, etwa zwölf Jahre alt.

 

[85]Siehe dort den Eintrag „Theis, Claus“, der zu den begütertsten Familien des Dorfes gehörte. Dessen Nachkomme Steffen Theis erklärte im Jahre 1668 zusammen mit einem Hans Hendrich Zwicken, ebenfalls aus Messerich über die Auswirkungen der damaligen französischen Besatzung im Dorf, daß „die Franzosen zwey Häuser sambt Scheuer und Stallunck verbrenct, auch alle Fruchten selbigen Dorfes verdorben und verwüstet“ hätten. Vgl. Ludes, Henry: „Zwanzig Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg – Die Stadt Bitburg während der‚französisch feindlichen Contributionen’ von 1668“, in „Heimatkalender für den Kreis Bitburg-Prüm 1977“, S. 73ff, hier S. 76.

 

[86]Geboren am 17. 08. 1760 im Schomisch-Haus in Messerich als Sohn seines aus Dockendorf stammenden Vaters Peter Köhmen und seiner aus diesem Hause gebürtigen Mutter Anna Maria Schumers, deren Vater sich noch Schumacher schrieb. Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 843ff. S. 193f.

 

[87]Die Ehe wurde am 24. 11. 1789 geschlossen, Eva geb. Hahnen stammte aus dem Meintz-Haus in Niederweiler Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 852. S. 194.

 

[88]Geboren am 20. 01. 1754 als ältestes Kind der Eheleute Christoph und Margaretha Eupers – die Schreibweise dieses wie vieler Namen in früherer Zeit variieren in den entsprechenden Verzeichnissen häufig. Sein Sterbetag ist bisher nicht nachweisbar. Er heiratete am 23. 11. 1784. Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 180. S. 41.

 

[89]Geboren um 1758 in Peffingen im sogenannten Josephs-Haus als Tochter der Eheleute Hubert und Johanna Kläs, verstarb sie am 18. 09. 1828 in Messerich mit circa siebzigjährig. Das Ehepaar hatte zehn Kinder. Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 180. S. 41.

 

[90]Vgl. zu diesem Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 606. S. 138.

 

[91]Dieses Name leitet sich von den Hausbesitzern Urbans bzw. Urbany ab.

 

[92]1751 heiratete Wilhelm Arnoldi aus Masholder die Margaretha Urbans aus diesem Hause. Deren Sohn Stephan, geb. 29. 03. 1756 in Messerich, war Geistlicher im Saarland und nahm den Sohn seines Vetters, eben genannten späteren Bischof, in seine Obhut und ermöglichte ihm die Ausbildung. Die in der Kindheit begründete Verbindung zu den Messericher Verwandten hielt der Bischof laut Überlieferung der Nachfahren sein Leben lang aufrecht und besuchte, so sich die Gelegenheit ergab, den Hof.

 

[93]Dieses Wort leitet sich vom Lateinischen curtis = der Hof ab. Vgl. den ähnlichen Hausnahmen „Corten“ in Dockendorf, s. hierzu: Schleder, Alois: „Die Stockgüter in den Orten Dockendorf und Ingendorf. 1. Das Corten-Haus in Dockendorf“, erschienen in „Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes“, Nr. 1, Heft 1, 1990, S.50ff.

 

[94]Peter Bicheler stammte aus Colbette in der Pfarrei Consdorf, Luxemburg, und heiratete am 23. 02. 1789 Luzia Neu aus dem kleinen Kurthen-Haus im hinteren Hofteil. Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 55. S. 13f.

 

[95]Ein wohl direkter Nachkomme in zweiter oder dritter Generation dieses Hans Gobel war Simon Goebel sen., der als Meier der Herren Veyder von Malberg genannt wird. Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 251, S. 58.

 

[96]Um 1800 geboren in Eisennach, vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 817. S. 186.

 

[97]Tochter des Nikolaus Goebel und der Maria Katharina geb. Boettel, vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 266. S. 62.

 

[98]Die erste Nennung erfolgte 1720 mit Johann Ewen, M 201, vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 201ff. S. 46ff. Bei den Erbauern des Hauses handelte es sich um die Eheleute Philipp Hauer (wohl 12. 02. 1756 in Meckel - † 22. 04. 1829) sowie die mit ihm in zweiter Ehe verheiratete Margarethe Ewen (* 02. 02. 1760, älteste Tochter des Gerhard Ewen und der Barbara Thiel - † Datum nicht bekannt), vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Messerich“, M 312. S. 73 sowie M 888, S. 203; zu Hauer, Philipp s. den Eintrag „Museler, Matthias, Vgl. Naumann, Werner: „Familienbuch der Pfarrei Meckel“, M 482. S. 123. Das Haus befindet sich heute noch im Besitz der Nachkommen dieser Familie.

 

[99]Laut NIERMEYER, J. F.: „Mediae latinitatis Lexicon minus“, fortgeführt von C. van de Kieft, Leiden 1976: ein Untergebener, der in Kriegsfällen zu bestimmten Waffentransportdiensten herangezogen wurde. Sie be­saßen ihre Hufe nach Lehensrecht, „leisteten im Prümschen Boten­dienste zu Pferde oder zu Fuß, wurden auch zu Kriegsdiensten ... herangezogen und sind als die Vorfahren der großenMaße von Knechten, Wepelingen und Burgmannen anzusehen, welchen wir als der niedrigsten Stufe des mittelalterlichen Adels in den weiteren Perioden begegnen", so BEYER, Heinrich: „Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien“, Coblenz, 3 Bände, 1860 ‑ 1874, hier: 2. Bd., S. C.

 

[100]Siehe SCHWAB, Ingo: „Das Prümer Urbar“, Düsseldorf 1983, erschienen als 5. Band in der Reihe: „Rheinische Urbare“ (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde XX), dort S. 181: „Ad Stedeheym sunt mansa .VIII. Sunt ibi scararii .IIII., qui tenent ex his manis dictis .VII. qui omne servitium faciunt sicut superiores, excep­to suales et pullos et ova non solvunt; wactas, panem et cervisam non faciunt, sed scaram pleniter faciunt.“

 

[101]Vgl. hierzu: Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 312 sowie 320. Ferner: Hahn, Frank-Oliver: „850 Jahre Kirche in Niederstedem – Ein Filialkirchlein stellt sich vor“, in: „Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes“, Nr. 4, Heft 3/1991, S. 33ff.

 

[102]Kubach da­tiert ihn in die 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts, vgl. KUBACH, Hans Erich und Albert VERBEEK: „Romanische Baukunst an Rhein und Maas“, 4 Bde., Berlin 1976 ‑ 1989, hier: Bd. 2, S. 855. Zur Beschreibung der Kirche hier und im Folgenden siehe ferner WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 185fsowie Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 312ff.

 

[103]Diese läßt sich noch an angekohlten Gebälkteilen im Dachstuhl erkennen.

 

[104]Die Herleitung des hebräischen Names ist umstritten. Im Alten Testament wird er volksetymologisch gedeutet als „dessen Hand hielt die Ferse des Esau“ (Gen 27,36) sowie als „schon zweimal hat er mich überlistet“ und spielt damit auf Begebenheiten im Leben dieser beiden Zwillingsbrüder an. Andere Forscher übersetzen den Namen mit „Gott möge schützen“, wieder andere leiten ihn von einem arabischen Vogelnamen ab: „Steinhuhn“.Zur Namenserklärung siehe unter „Jakob, Patriarch“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 410ff, zu Jacobus dem Älteren ebd. S. 407f.

 

[105]Mit dem „wahren“ Jakob bezeichnete man Jacobus major und sein Grab in Santiago de Compostela im Gegensatz zu dem Grab des anderen Apostels mit gleichem Namen, Jacobus minor, dessen Reliquien seit dem Mittelalter in Toulouse verehrt werden, das eine Station auf dem Pilgerweg nach Spanien war.

 

[106]Bisweilen wird er auch auf einem weißen Roß reitend gezeigt, weil er der Legende nach den Spaniern im Kampf gegen die Sarazenen zur Hilfe eilte.

 

[107]Vgl. WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 186, dem auch die späteren Autoren folgen.

 

[108]Er zeigt Ähnlichkeiten mit vergleichbaren Altären aus dem Umfeld der sogenannten Hoffmann-Werkstatt in Trier, dies betrifft sowohl den Aufbau wie auch einzelne Details. Vor allem aber die Statue des Kirchenpatrons legt diese Überlegung nahe. Sollte er, wie ich annehme, aus der gleichen Werkstatt wie der Messericher Martinsaltar stammen, dann liegt die Vermutung nahe, daß er auch etwa zur gleichen Zeit angeschafft wurde.

 

[109]Dies wird vor allem bei Anwendung eines kleinen technischen Tricks evident: spiegelt man ein Photo der Messericher Evangelistenstatue und vergleicht dieses Bild dann mit dem Niederstedemer Apostel, fallen die Ähnlichkeiten in puncto Mantelwurf und Faltenfall unübersehbar ins Auge.

 

[110]Es bliebe zu erforschen, ob nicht auch eine gewisse Nähe zu dem Werk des Jacob Conchardt gegeben ist, über den jüngst veröffentlichte: Weiner, Andreas: „Wer war Johannes Manternach? – Der sogenannte Marien-Altar in der Trierer Pfarrkirche St. Antonius und die Trierer Bildhauerfamilie Conchardt“, erschienen in: „Kurtrierisches Jahrbuch 1999“, S. 225-249, sowie drs.: „Der Meister des Martinaltares der Pfarrkirche Köwerich und die Nachfolge des Hans Ruprecht Hoffmann“, erschienen in: „Sancta Treveris – Beiträge zu Kirchenbau und bildender Kunst im alten Erzbistum Trier“, Festschrift für Franz J. Ronig zum 70. Geburtstag, hrsg. von Embach, Michael u. a., Trier 1999, dort S. 689-708.

In meinen Augen zeigen sich zwischen den Statuen in Messerich/Niederstedem und denen in diesen beiden Artikeln aufgezeigten Beispielen eine Reihe von Ähnlichkeiten: die Figuren wirken gedrungen, gehen etwas in die Breite, zeigen Entsprechungen in gewissen Details wie bei der Ausformung der Haare oder in der Teigigkeit der Gewandfalten, die Körperlichkeit der Figuren geht unter den gebauschten Gewändern verloren. Manche Details kehren fast in gleicher Form wieder: so findet sich das Motiv des Bettlers, wie wir ihn zu Füßen der Heiligen Elisabeth und Martin in Messerich sahen, fast identisch bei einer Martinsfigur des Meisters Conchardt am Johannes-Altar in Trier, St. Antonius, wieder. Beliebt ist bei beiden auch das Motiv, die Gewänder über der Taille mit einem Gürtel zusammenzuhalten und leicht zu bauschen. Gerade ein Vergleich sowohl der Messericher Statuen als auch der Niederstedemer Figur (z. B. auch in der Gesichtsphysiognomie – Stellung der Augenbrauen, die Mundpartie, der Nasenbereich –) lassen somit viele Übereinstimmungen mit dem Trierer Werk erkennen, wenn auch die hier vorgestellten Figuren insgesamt einfacher gearbeitet sind. Abbildungen zu dem 1617 datierten Johannes-Altar siehe in dem oben genannten Aufsatz von Weiner, Andreas im Kurtrierischen Jahrbuch 1999.

 

[111]Vgl. Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S. 20.

 

[112]Das hebräische Wort bedeutet: „Wer ist wie Gott“ und ist in der Bibel im Buch Daniel (Dan 10,13.21 sowie 12,1) überliefert, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 586ff.

 

[113]San Michele an der Via Salaria in Rom wurde durch Papst Leo den Großen geweiht. Seit der Kalenderreform 1969 wird an seinem Festtag auch der beiden anderen Erzengel, Rafael und Gabriel, gedacht. Im deutschen Sprachraum war Michael als Taufname derart beliebt, daß sich schon im ausgehenden Mittelalter daraus die Bezeichnung für den einfachen Mann, eben den „deutschen Michel“ ableitete und diese ihren damit verbundenen, abwertenden Sinn bekam.

 

[114]Der sich aus dem Griechischen ableitende Name bedeutet: „die Perle“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 542.

 

[115]Diese lautet: „Diesen Altarr Hatt Der ehersamer Mattes Zall Zur Zeidt Trierser Meier M.E.R.S.S.N. Zur Ehr Gottes ued Düsen Heiligen Patronen Lassen Mhallen 1644“.

 

[116]Vgl. Lagerbuch der Pfarrei Messerich im Pfarrarchiv Wolsfeld, S.34b. Dort wird sie als „Christukönig-Herz-Jesu-Statue“ bezeichnet. Die schlichte, altertümliche Formensprache wie auch die zurückhaltende Farbfassung erwecken den Eindruck einer weitaus älteren Statue. Dem ist auch die Denkmaltopographie erlegen, in der es heißt: „Über dem Triumphbogen ist ein thronender Christus mit originaler Farbfassung aus dem 14. Jh. (Kopf (?) und Hände ergänzt) angebracht.Vgl. Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 314. – Es wäre denkbar, daß man bei Steinlein, der ja bekannter Weise auch als Restaurator arbeitete, eine alte Statue hätte umarbeiten lassen, dies aber wäre sicherlich in dem Lagerbuch verzeichnet worden, das gerade diesbezüglich recht ausgiebig und genau informiert.

 

[117]Die Bildunterschrift lautet: „Regina sanctorum omnium“.

 

[118]Über die ursprünglichen Glocken der Kapelle wissen wir heute nichts mehr. Erst über eine 1867 bei der Firma Mabillon, Saarburg gegossenen Glocke, ca. 120 kg, Durchmesser 60 cm, Ton as, berichten die Unterlagen. Es gab bis 1917 noch eine zweite Glocke, deren Gewicht, 90,5 kg, überliefert ist und die damals mit den beiden Messericher Glocken für Kriegszwecke gegen Entgelt abgegeben werden mußte. Die verbliebene, größereGlocke von 1867 wurde dann im 2. Weltkrieg (19. 4. 1942) konfisziert. Bald darauf, 1943, ersetzten 2 Stahlglocken der Firma A. Mark, Brockscheid, die bis 1984 ihren Dienst taten, das verlorengegangene Geläut. An ihre Stelle traten zwei neue Bronzeglocken der Saarburger Firma Mabillon, die am 15. Juli 1984 feierlich geweiht wurden: a.) 420 kg, Durchmesser 73 cm, Ton cis, Inschrift am Glockenhals: „Diese Glocke ist dem hl. Jakobus geweiht“, Bild in der Mitte: hl. Jakobus, darunter Inschrift: „Läuten möchte’ich nur in Friedenszeiten / mein Klang soll in unserer Heimat niemals Leid verbreiten.“ b.) 130 kg, Durchmesser 61 cm, Ton e, Bild Vorderseite: Muttergottes, darunter Inschrift: „Ich verkünde euch: / Gott ist Mensch geworden.“, auf der Rückseite: „Niederstedem 1984“.

 

[119]Vgl. PAULY, Ferdinand: „Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier“, er­schienen in den „Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier“, 10 Bände, daraus: Bd. 3: „Das Landkapitell Kyllburg‑Bitburg“, Trier 1963, und Bd. 10: „Zusammenfassung“, Trier 1976, hierzu: Bd. 10, S. 102.

 

[120]Möglicherweise reichte ein erster Kapellenbau bis in karolingische Zeit zurück. Eher aber ist zu vermuten, daß sich dieses Patrozinium ur­sprünglich auf die Kirche in Niederstedem bezog, dieses aber, aus welchen Gründen auch immer, vom heiligen Jakobus, eventuell dem Nebenpatron, verdrängt wurde, so daß man später das Brictiuspatrozinium auf eine neuerrichtete Ka­pelle in Oberstedem übertragen hat.

 

[121]Vgl. hierzu die Akte BaTr 71.182, 77.

 

[122]So der Name des Architekten bei Berens, Michael: „Die Kirchen und Kapellen des Bitburger Landes“, erschienen als Sondernummer 8/9 in den „Beiträgen zur Geschichte des Bitburger Landes“, 1992, S. 75, daraus wurde bei Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 320: „Segen“.

 

[123]Vgl. hierzu: Lichter, Eduard: „Die Altarschnitzerfamilie Lichter aus Gilzem, Kreis Bitburg-Prüm – Ein Beitrag zur Geschichte der Neugotik im Bistum Trier“, erschienen in: „Heimatkalender 1994 Landkreis Bitburg-Prüm“, Trier 1993, S.89-96.

 

[124]Der aus dem Keltischen stammende Name bedeutet: „der Kräftige, Starke, Hohe“. Vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 178f, ferner auch: Schoenen, Hans Guenter: „Der Mann mit den glühenden Kohlen – Leben und Verehrung des hl. Briktius“, Rommerskirchen o. D.

 

[125]Vgl. hierzu: WACKENRODER, Ernst: „Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg“, Düsseldorf 1927, S. 184f.

Auch hier sei kurz auf die Glocken hingewiesen. In der alten Kapelle hat nur eine Glocke gehangen. Über diese lesen wir in dem weiter oben erwähnten Meldebogen von 1940: ca. 85 kg, 52 cm, fis', 1890 Fa. Mabillon, Saarburg. Diese hing in einem Dachreiter. Im letzten Krieg (19. 4. 1942) wurde sie mit den anderen Geläuten konfisziert, und 1952 durch zwei Bronzeglocken der Firma A. Mark, Brockscheid ersetzt: a.) dis, Durchmesser 0,63 cm, Inschrift: „S. Maria ora pro nobis“ b.) fis, Durchmesser 0,54 cm, Inschrift: „St. Brixius, ora pro nobis“.

 

[126]Zu den Zahlen und Angaben dieses Abschnitts vgl. Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 154.

 

[127]Irrtümlich wird sie bei Altmann, Bernd u. Hans Caspary: „Kreis Bitburg-Prüm – Stadt Bitburg, Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel“, erschienen als Band 9.2 in der Reihe: „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ in der Serie „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“, Worms 1997, S. 156 als Marienkapelle bezeichnet.

 

[128]Dieser Name leitet sich vom Griechischen sebastós ab und bedeutet das Gleiche wie Augustus: „der Erhabene“, vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer: „Lexikon der Namen und Heiligen“, Innsbruck 51984, S. 735.

 

[129]Diese Verehrung erinnert daran, daß im Jahre 680 die Pest, die in Rom wütete, erlosch, nachdem die Reliquien des Heiligen in einer festlichen Prozession durch die Straßen der Stadt getragen worden waren.