Kurzbeitrag zur Geschichte des Dorfes Messerich von Dr. Josef Hainz (1986)

Diese Darstellung und die Erforschung der Geschichte des Dorfes Messerich ist eine dankbare Aufgabe zumal reichlich geschichtliche Quellen zur Verfügung stehen. Für unseren Kurzbeitrag können davon aber nur die allerwichtigsten angesprochen werden.

Es ist üblich am Beginn einer derartigen Arbeit die Deutung des Ortsnamens zu versuchen. Dabei dürfen wir uns oftmals nicht nur auf in Schrift und Bild bekannte allgemeine Geschichtsquellen stützen, sondern wir müssen darüber hinaus auch fundamentierte eigene Erkenntnisse in unseren Auslegungen einfließen lassen.

Der Ortsname Messerich wird erstmals in Schriften des Jahres

1066 als Miezriche erwähnt (Mittelrheinisches Urkundenbuch 1 S. 421),

1140 gleich Mezrich - Mezerriche,

1270 Messerich,

1307-54 ecclesia de Messerich.

Für den Ortsnamen Messerich bietet sich folgende Deutung an:

macera = Mauer, Maceriacum = Messeriacum (ähnlich der damals in Lothringen üblichenBezeichnung = Masiviacum).

Im Jahre 1852 fand man umfangreiche römische Siedlungsreste in Messerich. Es ist somit belegt, daß der Ort zumindest fast 1 000 Jahre vor seiner erstmaligen Erwähnung bestand. Diese Siedlungsreste waren durch alle Jahrhunderte bekannt, das massive Mauerwerk der Römersiedlung gab der neuen Ortschaft den Namen.

Bei den erwähnten römischen Siedlungsresten fand man: bleierne Röhren, Ziegel, Hypokausten, Wandverputz, Münzen, Glas und Keramik. Damals wurden leider keine genauen Aufmessungen gemacht. Beim Abbruch der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirche im Jahre 1849 fand man einen Zweigötterstein, der als Untergestell für den Hochaltar diente. Dieser Götterstein ist unvollständig bearbeitet, und auf ihm sind die Götter Juno und Hercules dargestellt. Er befindet sich im Landesmuseum in Trier. Eine orginalgetreue Nachbildung kann im Kreismuseum Bitburg besichtigt werden.

Der römische Villenbereich erstreckte sich beiderseits des Feldweges vomMessericher Oberdorf in Richtung Birtlingen. Die Pfarrkirche Messerich (Patron St. Martin) wurde über den Fundamenten eines römischen Gebäudes errichtet.

Maceriacum ist ein -acum Ortsname. -acum ist ein sehr häufiges, keltisches, besitzanzeigendes Suffix. In einigen Fällen überliefern diese -acum Ortsnamen sogar noch den Namen des keltischen Besitzers. Aus dem Nimstal und Prümtal sind uns Siedlungsflächen bekannt, die die Kontinuität der Siedlung der Treverer Römer belegen. Messerich hat also einen treverischen Ortsnamen. Als weitere Belege verwendet man dann außerdem die Flurnamen der Gemarkung, worauf wir in diesem Beitrag verzichten müssen.

Messerich ist ein Besitz der Abtei St. Maximin Trier.

Die Maximiner Grundherrschaft (Weistümer Rittersdorfer-Matzen) besitzt in Rittersdorf eine Grundherrschaft, bestehend aus Feldern, Wiesen, Weiden, Wald und der Mühle. Dieser Besitz ist ein Freihof mit Asylrecht, und er ist Hauptzehntherr. Rittersdorf erscheint inder Rolle eines Oberhofes für die Maximiner Güter im Bitburger Raum. Zu diesem Hof gehören: Rittersdorf, Matzen, Nieder- Oberstedem, Messerich, Eßlingen, Meckel und Badenborn. Die Landeshoheit über diese Güter stand den Grafen von Luxemburg zu. Die Luxemburger konnten in Kriegszeiten die Leistungen dieser Hofleute, wie seit alters her, beanspruchen. Daher ist es möglich, daß die Abtei St. Maximin die Besitzungen (die Grundherrschaft Rittersdorf mit allen Orten) als uralte königliche Schenkung erhielt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß in den Urkunden Ottos 1(912-973) diesbezügliche Schenkungen Karls des Großen, Pippins und Dagoberts erwähnt werden.

Wenn Messerich auch erst in einer Urkunde vom Jahre 1066 als Maximiner Besitz erscheint, so ist es doch denkbar, daß der uralte Ort längst Maximiner Besitz war, bevor seine erste urkundliche Erwähnung erfolgte.

Die Vita des hl. Maximin behauptet, er stamme aus Aquitanien (heute das Gebiet Südwestfrankreichs) und er sei in seiner Heimat am 12. September 345 verstorben. Seine Leiche wurde nach Trier gebracht und im Jahre 352 in der von ihm errichteten Kirche begraben. Die Wunder die sich während seiner Translatio im letzten Viertel des Weges vor Trier ereigneten und der Aufenthalt an einigen Orten sollen zur Stiftung einiger Maximinkirchen beigetragen haben. Hier finden wir also die Anfänge für die Entstehung der Maximiner Grundherrschaft um Trier.

Die im 6. Jahrhundert im südlichen Bereich Bitburgs angelegte Maximinkirche soll (laut Nikolaus Kyll) die Intensivierung der christlichen Mission im Bitburger Land gestärkt haben. Dabei ging es um die Missionierung der Neusiedler, der Franken.

Die Maximiner Ortschaften im Bitburger Land.

Als erster Maximiner Besitz ist Bustall = Baustert (Arnulsurkunde 893) bekannt. Es wurde im Jahre 962 erneut erwähnt. Dann folgen Bickendorf, Rittersdorf und Ewen (eine untergegangene Siedlung bei Matzen/Rittersdorf). Frenkingen = Bettingen erscheint im Jahre 1051, Messerich 1066. Diese erste urkundliche Erwähnung des Ortes Messerich soll etwas näher dargestellt werden, zunächst aber weitere urkundliche Belege:

8. November 1140 bestätigt Papst Innozenz II für die Abtei St. Maximin alle Rechte, Besitzungen, Freiheiten, namentlich auch ihre Unmittelbarkeit.

in pago Bidgowe: Rattresdorf, Buchstat, Frenkingen, Ebhene, Mezrich, Stadelheim, Esslingen, Simonis Villa (Seinsfeld), Meisbreth (Meispelt bei Kehlen in Luxemburg).

Kaiser Otto 1 bestätigte im Jahre 962 alle Rechte, Freiheiten und Besitzungen der Abtei St. Maximin. Er bestimmt sie zum Wittum der Kaiserin. Den Abt setzt er als Kaplan der Kaiserin ein.

Die Urkunde aus dem Jahre 1066 ist gerade für Messerich so wichtig, denn Kaiser Heinrich IV bestätigt diese Regalien der Abtei St. Maximin, und er vermacht sie, genau wie Otto 1, seiner Gemahlin.

Diese Regalien wollen wir nun etwas ausführlicher darstellen:

Abt Wigger erhielt vom Kaiser Otto 1 als erster die Würde eines Erzkaplans der Kaiserin. Nachdem Otto nämlich zu Anfang des Jahres 962 in Rom vom Papst Johann XII zum Kaiser und seine Gemahlin Adelheid zur Kaiserin gekrönt worden waren, hat Otto 1 noch während seines Aufenthaltes in Rom mit Gutheißung des Papstes die Kaiserin mit der Abtei St. Maximin begiftet, gleichsam zur Versorgung ihrer neuen Würde. Abt Wigger und alle seine Nachfolger sollen der Kaiserin in der Capella und bei der Tafel am Hofe als Erzkaplan dienen. Mit dieser Verfügung hat er eigentlich aus St. Maximin eine königliche Abtei gemacht. Und genau diese Regalien hat Kaiser Heinrich der IV seiner Gemahlin Berta auch für Messerich bestätigt.

Bei den meisten Besitzungen vieler Abteien läßt sich oft kaum mehr feststellen, wann der Besitz an die Abtei kam. Die Urkundenlage ist oft unklar. Besondere Schwierigkeiten bringen außerdem die Bestätigungsurkunden. In der einen Urkunde erscheint der Besitz, in der nächsten erscheint er nicht, dann kommt er wieder vor. Kurz: Nicht jede königliche Urkunde bringt alle Besitzungen, sondern oft nur die, bei denen sich eine andere Rechtslage ergeben hat.

Für die Abtei St. Maximin ergibt sich dabei folgendes Bild:

Heinrich II = 18 neue Orte, Konrad II = 4, Heinrich III = 7.

Heinrich IV dotiert, wie bereits erwähnt, im Jahre 1066 seine Gemahlin Berta mit St. Maximin, und er bestätigt alle Güter. Neu erscheint dabei nur Messerich, und zwar erstmals als Maximiner Besitz mit dem Namen Miezeriche.

Wie schon am Anfang erwähnt, ist die Quellenlage zur Erforschung der Geschichte Messerichs gut und reichlich. In diesem Beitrag möchten wir aber nur die wohl wichtigsten Urkunden ganz kurz vorstellen:

1. Theoderich von Isenburg erlaubt dem Herrn von Falkenstein, der damals Burgmann von Kyllburg wurde, daß er sich verpflichte (obligare), die Hälfte des Zehnten zu Messerich dem Erzbischof zu Trier zu zahlen (1240).

2. Eine weitere Urkunde darüber trägt das Datum 20.03. 1241.

3. Im November 1233 verpfändet Agnes von Malberg mit Zustimmung ihres Gemahls Theoderich dem Erzbischof Theoderich von Trier ihre Höfe: Ehlenz, Stedem, Hinkel.

4. Friedrich von Malberg trägt dem Erzbischof Baldewin zu Trier sein Dorf Messerich zu Lehen. (villa de Messerich cum jure patronatus ecclesiae) Eine weitere diesbezügliche Urkunde trägt das Datum 4. August 1320.

An dieser Stelle bietet sich der Versuch an, die Frage zu klären, wie Messerich an Malberg kam.

Bei der Betrachtung der vorausgehenden Urkunden finden wir eine wichtige Tatsache: Der Herr von Falkenstein war auch ein Burgmann von Kyllburg, er verpfändete seinen halben Zehent im Dorfe Mezcerich im Jahre 1241 an den Erzbischof von Trier. Erwähnung verdienen die Forschungen von de Lorenzi, die feststellen, daß die jedesmaligen Besitzer von Malberg (später durch Heirat die Herrn von Vinstingen, dann die von Manderscheid und die Bayer von Boppard zu gleichen Hälften, dann die von Grichingen und seit Anfang des 18. Jahrhunderts die Familie von Veyder) sowohl die Kollatur, das Recht den Pfarrer auszusuchen, wie das Zehntrecht in Messerich ganz oder teilweise besaßen. Bei der Visitation von 1570 sind die Enschringen Kollatoren und zu 1/3 Zehntherrn; das zweite 1/3 hatte Magdalena von Mondrial und das dritte der Pfarrer. Dabei ist auffallend und bleibt noch aufzuklären, wie es gekommen ist, daß 1613 der Pfarrer den Altaristen in Falkenstein von seinem 1/305 Mr Weizen und ebensoviel Korn abgeben mußte. Der Anteil des Pfarrers an dem Zehnten betrug im Jahre 1570 = 20 Mr Korn und Weizen und 3 Mr Hafer. Der kleine Zehnte belief sich auf 3 fl. und 1/2 Fuder Heu, die Brotlieferung auf 2 Mr. Korn. Das Wittum bestand in 10 Morgen Land. Die Kirche des hl. St. Martinus in Messerich besaß dazumal 3 Altäre und 3 Kelche.

Das Dorf gehörte demnach bis zur Auflösung aller Grundherrschaften zur Grundherrschaft Malberg.

Die Entwicklung der Probsteien im Bitburger Land

Als die alte Gauverfassung aus der Zeit Karls des Großen mit ihren Grafen als königlichen Beamten erlosch und diese Grafen in ihrem früheren Amtsbezirk sich selbstständig machten, ihn als Eigentum betrachteten und Recht im eigenen Namen sprachen, war damit auch die Teilung dieses Bezirks unter ihre Kinder gegeben. In der westlichen und südlichen Eifel waren es besonders zwei Grafen-geschlechter, die Grafen von Luxemburg und die Grafen von Vianden. Während es den Grafen von Luxemburg gelang, durch Heirat und Krieg ihr Besitztum zu mehren, zwang eine Familienfehde die Grafen von Vianden, die Hilfe des Luxemburgers anzurufen. In Schönecken nämlich, ebenfalls einer Burg der Viandener, hatte ein unbotmäßiger Neffe sich eingenistet, und es gelang dem Grafen von Vianden nicht, mit eigener Kraft und seinen Vasallen ihn hinauszuwerfen. So mußte er den Luxemburger zu Hilfe rufen, der ihm seinen mächtigen Arm nur lieh, wenn er sein Vasall werde und ihm den Lehenseid schwöre. So wurde in unserem Lande der Graf von Luxemburg der Landesherr bis an die Grenzen des Kurfürstentums Trier. Die Kreisstadt Bitburg selbst erwarb er vom Kurfürsten im Jahre 1239. Er teilte sein Land in Probsteien, im Trierischen hießen sie Ämter.

Das Schicksal der Probsteien und kleinen Grundherrschaften

Die Probstei Bitburg hatte nach ihrer Brandschatzrolle des Jahres 1603 noch 31 Dörfer mit 330 Fam. König Karl der II von Spanien verkaufte dem Wolfgang Heinrich Baron von Metternich die Hoch-, Mittel- und Grundgerichtsbarkeit in der Stadt Bitburg und 16 umliegender Dörfer in der alten Probstei Bitburg am 4. November 1672 für 17300 Gulden ä 40 flandrische Groschen. Es waren im Ganzen 174 Untertanen, davon in der Stadt Bitburg 68. Wolsfeld verkaufte er als Herrschaft Wolsfeld an den Baron von Palland, Rittersdorf und Nattenheim als Herrschaft Rittersdorf an einen N. Schäfer, dessen Witwe sie dem Herrn Umbscheiden in die Ehe brachte. Das Dorf Bickendorf als Herrschaft Bickendorf an N. Veyder, Liessem an der Ehlenz als Herrschaft Liessem an den Herrn von Enschringen und er~dtich die Burg Dudeldorf und das Dorf Ordorf an die Baronin Braun von Schmidtburg. Schon vorher, am 11. Juni desselben Jahres, hatter der Baron von der Horst seine Herrschaft Hamm durch Kauf von Karl II für2470 Gulden um die Dörfer Biersdorf, Wiersdorf und den Hof Beifels vergrößert. So kam es, daß in einer Statistik über den Zustand der Probstei Bitburg im Jahre 1756 diese nur noch 8 Dörfer umfaßte: Stahl, Messerich, Birtlingen, Dockendorf, lngendorf, Oberstedem, Niederstedem, Masholder.

Durch diese Aufteilung in kleine und kleinste Herrschaften bis hinab zum Bezirk eines Dorfes, wo man kaum die nötige Anzahl für Schöffen, Beamte und Boten hatte, wurde natürlich das Recht zur Farce und der Richterspruch der Analphabeten oft zum himmelschreienden Unrecht. Wie konnten selbst bei gutem Willen diese hörigen Gerichtsscheffen der Willkür und Brutalität eines Gerichtsherrn widerstehen?

Einige belegte Angaben über die Entwicklung des Dorfes Messerich, und zwar die Zahl der Feuerstellen (bewohnte Häuser), sollen den Beitrag abschließen:

So sind belegt

im Jahre 1541 in Messerich 14 Feuerstellen, in Stedem 11, in Birtlingen 6,

im Jahre 1624 in Messerich 5 Feuerstellen, in Stedem 3, in Birtlingen 2.

 Nach der "Eiflia lllustrata" (Band 3, Abt. 1, 5. 532):

Die Bürgermeisterei Messerich besteht um 1840 aus den Orten

1. Messerich = 212 Einwohnerin 21 Wohnhäusern,

2. Birtlingen = 69 Einwohner in 6 Wohnhäusern,

3. Niederstedem = 188 Einwohner in 22 Wohnhäuser,

4. Oberstedem = 104 Einwohner in 12 Wohnhäusern.

Zur Zeit hat Messerich 416 Einwohner und etwas über 100 Feuerstellen (= Wohnhäuser).